Sei, was Du bist.

Das wirkliche Problem mit dem Beobachten ist, dass da immer jemand da ist, der beobachtet – aber er sieht sich nicht selbst, sondern nur das Beobachtete. Und weil er sich nicht selbst sieht und fühlt, denkt er, dass da niemand ist. Das ist aber natürlich nicht wahr, denn da muss jemand oder etwas sein, das beobachtet, ansonsten gäbe es nicht die Erfahrung des Beobachtens.

Weiterlesen

Beobachten oder sich des Beobachters bewusst werden?

Ich habe mich jahrelang selbst beobachtet, nach der „Doppelpfeilmethode“ von Gurdijeff. Dabei geht ein Teil der Aufmerksamkeit nach außen und ein anderer Teil nach innen. Das funktioniert auch und es stellt sich mit der Zeit auch eine temporäre Präsenz ein. Aber auch nach jahrelanger Beobachtung änderte sich nicht wirklich etwas. Der Verstand drehte sich immer noch um sich selbst und das Ego war immer noch nicht entmachtet. Das gleichzeitige Beobachten nach innen und außen habe ich trotzdem beibehalten, weil es aufgrund langjähriger Gewöhnung automatisch weiter lief – und weil in der Selbst-Erkenntnis, wie ich sie jetzt betreibe, ebenfalls eine innere und eine äußere Aufmerksamkeit verwendet wird.

Weiterlesen

Präsenz alleine reicht nicht

Präsenz (Awareness) ist das andauernde Da-Sein im inneren Raum. Solange aber nicht bekannt ist, wer anwesend ist, kann man das als sinnlos abhaken. Gleiches gilt für Konzentration – sie kristallisiert nur den Beobachter im Bereich der Stirn aber führt nicht zur Entdeckung der Subjektivität des Bewusst-Seins.

Weiterlesen

Was nutzen Diskussionen?

Ich bekam heute eine Mailzuschrift, von jemandem, der bereits mehrfach geschrieben hat. Darin fragte er, warum ich seine letzte Mail nicht beantwortet hätte. Der Grund war ganz einfach: ich spürte im Ton und der Intention der Mail eindeutig, worum es dem Schreiber ging: er wollte diskutieren. Er wollte seine „Ansichten“ mit meinen „messen“ oder „vergleichen“ und daraus Erkenntnisse ziehen.

Ich spüre so etwas vollkommen eindeutig, da ist nicht der Hauch einer Unklarheit – ich weiß es oft schon, wenn ich nur die ersten Worte lese, manchmal sogar, wenn ich nur die Subject-Zeile sehe. Das ist kein Hexenwerk, so etwas kann jeder, der offen genug ist – denn das Schreiben stammt ja von jemandem und das, was er ist, ist in dem Schreiben enthalten und das kann auch niemand verhindern. Das gleiche Prinzip wirkt, wenn man Kunstwerke fühlen will – man wird dann nicht das Kunstwerk fühlen, sondern denjenigen, der es gemacht hat und seine Intention. Das Gesetz dazu lautet: Der Geist ist in allem und durchdringt alles und alles ist im Geist und aus Geist.

Weiterlesen

Bewusst-Sein IST Dualität

Bewusst-Sein ist Dualität. Ich habe das schon mehrfach beschrieben und werde das wahrscheinlich auch noch öfter tun, denn es tauchen immer wieder neue oder vertiefte Einsichten dazu auf. Es ist völlig eindeutig, dass Bewusst-Sein die Quelle der Dualität darstellt – weil es selbst der erste duale Aspekt ist. Sein ist der ursprüngliche, statische, feldhafte Aspekt der Wirklichkeit – wenn man so will, „die Leere„.

Weiterlesen

Die Präsenz halten

Für Menschen, die bereits Zugang zum inneren Raum des Bewusstseins haben, ist es eminent wichtig, diese Präsenz unter allen Umständen aufrecht zu erhalten. Später wird diese Präsenz dann noch durch Absenz (Loslassende Hingabe an die Quelle) ausbalanciert. Aber um überhaupt dahin kommen zu können – und auch den Gedankenfluss steuern und beenden zu können – muss erst einmal eine (während der Wachphase) nie endende Präsenz vorhanden sein.

Weiterlesen

Was sind unsere Vorurteile?

Gestern schrieb ich schon einmal über John Thornton. Ich habe etwas in seinen Lehr-Materialien gestöbert und eine Präsentation gefunden, die über Descartes Methode des Zweifels handelt. Darin geht es darum, wie man sicher sein kann, dass das, was man wahrnimmt, tatsächlich vorhanden ist, weil man immer unter dem Einfluss der übernommenen Vorurteile seiner Zeit steht. Der letzte Satz lautet: Was sind die Vorurteile des 21. Jahrhunderts?

Weiterlesen

Ein Volk von Wahnsinnigen

Nein, diesmal meine ich nicht die Deutschen! Ich lese gerade „Das Ägyptische Totenbuch“ und muss sagen, dass es sehr komplex ist. Vieles davon verstehe ich nicht, ganz einfach deshalb, weil ich kein Ägypter bin und eine ganz andere Art der Erziehung und Prägung hatte, als dieses Volk, das vor 5000 Jahren existierte. Ich versuche den Inhalt nicht mit dem Verstand zu begreifen, sondern zu fühlen – aber das dauert…

Weiterlesen

Direct Knowledge of Consciousness

Ich habe gerade einen Aufsatz von John Thornton gefunden, in dem er darüber schreibt, wie man das „Bewusstsein ohne Gedanken“ (Consciousness without thought) erlebt. Interessanterweise ist der Mann ein Philosoph, die ich bis dato als tiefe Denker kenne, die allenfalls darüber nachdenken können, wie es ist, ein „Bewusstsein ohne Gedanken“ zu erleben.

Dieser Mann hat das „Bewusstsein ohne Gedanken“ aber tatsächlich erreicht, denn das, was er schreibt, kann ich hundertprozentig nachempfinden, ohne darüber nachzudenken, denn es ist mein alltäglicher, müheloser Zustand. Hier die letzten Sätze des Aufsatzes, die dem Kenner eindeutig zeigen, dass John diesen Zustand direkt erlebt und nicht darüber spekuliert – es sei denn, er hätte es irgendwo abgeschrieben (was sich aber nicht so anfühlt):

What it means to be conscious is known immediately in the very state of being conscious without thought. One just has to look. Here, the ‘looking’ and the corresponding ‘seeing’ are the demonstration of a direct knowledge of consciousness. This knowledge cannot be expressed in language because it is too immediate – there is no separation between the subject and the object. Consciousness is not an object. It is that by means of which objects are known. I cannot define knowledge of consciousness, and I do not need to define it. I define what is separate from me, what I am not, the entities I am ‘conscious of.’ But I am not ‘conscious of’ consciousness. ‘I’ am this consciousness. This is not difficult until you think about it.“ [http://www.ict.griffith.edu.au/~johnt/PC/JohnDirectKnowledge.pdf]

Ich erlebe das auch so – mit einer Ausnahme: Ich erlebe das, was er als „Hintergrund-Bewusstsein“ bezeichnet, als individuelles und subjektives „Ich selbst“ und bin mir des Bewusstseins bewusst – auch ohne, dass darin ein Inhalt vorhanden ist. Das funktioniert aber nur dann, wenn im Bewusstsein Referenzpunkte (ICH-Zentren) entwickelt wurden, die dazu führen, dass es sich selbst so wahrnehmen kann. Ansonsten wird dieses Bewusstsein als unpersönlich erkannt und führt zu der falschen Annahme, dass da „niemand“ ist.

Das ist der Fehler, der im Advaita und Buddhismus etc. gemacht wird – sie schauen, sind sich ihrer selbst bewusst und sagen dann: „Da ist ja niemand!„. Daraus entstand das Konzept des „No-Self“ – das aber vollkommen falsch ist! Denn derjenige, der unmittelbar erkennt, dass da niemand ist, ist derjenige, der da ist! Die Leute, die diese These propagieren, haben einen so großen Stapel Bretter vor dem Kopf, dass sie sich beide Füße brechen, wenn der herunter fällt!

Wenn John es schafft, diesen Zustand beizubehalten, dann kann er von dort aus sich selbst immer tiefer erfahren. Wenn der Zustand allerdings nur durch Konzentration auf den Zustand und das Abweisen des Denkens gegründet ist, dann muss er ständig kämpfen und wird ihn zwangsläufig immer wieder verlieren.

Bei mir war das ganz genauso, bis „etwas“ geschah, das den Zustand vollkommen stabilisiert hat, ohne, dass ich weiß, wie. „Nebenbei“ wurden auch noch diverse Zentren geöffnet. Diesen Vorgang würde ich als „Gnade“ bezeichnen: „Etwas“ hat bemerkt, dass ich mich jahrelang abstrampelte, um diesen Zustand zu erhalten und hat mir geholfen. Und erst durch diese Stabilisierung wird wahre Selbsterkenntnis möglich.

Ich bin sehr erstaunt darüber, dass ein Philosoph es wagt, sich tatsächlich von seinem Denken zu entfernen! Sollte er das als die einzige Art erkennen, wie wahres Wissen vom Sein erfasst werden kann, dann wird er sich ganz von seinem Denken entfernen. Dann ist er kein Philosoph mehr, sondern ein Mystiker oder Sucher.