Das Hören des inneren Tones

Dies ist eine kurze Darstellung der Technik, sich auf den inneren Ton zu konzentrieren, um das reine Bewusstsein zu erfahren.

Die dichten Gedankenwolken, die jeder normale Mensch während der Wachphase in seinem Kopf vorfindet, machen das reine, absolute Bewusstsein vollkommen unerkennbar, obwohl es als lebens-spendendes Element und als Hintergrund der mentalen Objekte und Wahrnehmungen der wichtigste Bestandteil unseres täglichen Lebens ist. Wir können es aber nicht direkt wahrnehmen, weil es keinerlei objekthafte Eigenschaften hat. Es ist unsichtbar, hat keine Masse, keinen Gechmack, keinen Geruch, es ist nicht fest und kann niemals von den Sinnen wahrgenommen werden – aber es existiert.

Wie kann man die dichten Gedankenwolken überwinden, um das reine Bewusstsein zu erfahren? Ich kenne zwei Methoden: Die Erste ist, auf den inneren Ton zu hören – darum soll es hier gehen. Die Zweite Methode benutzt einen zweifachen, unfokussierten Blick, nach innen und außen, um das gleiche Ziel zu erreichen, diese Technik ist hier dargestellt.

Der innere Ton ist ein feines Geräusch, das allerdings nicht mit den Ohren gehört wird, sondern im Inneren Deines Kopfes, zwischen den Ohren. Verschließe beide Ohren mit den Händen und lausche. Nach einiger Zeit solltest Du ein sehr leises, sehr feines, hohes Rauschen, Pfeifen oder Zirpen hören. Klicke hier für eine Hörprobe.

Versuche Dich auf DEINEN eigenen inneren Ton zu konzentrieren, nicht auf die Hörprobe, diese dient nur zur Veranschaulichung, wie sich der Ton ungefähr anhört! Wenn Du das tust, wirst Du merken, dass plötzlich sämtliche Gedanken in Dir verstummt sind. Das liegt daran, dass Du Dich stark auf den leisen und feinen inneren Ton konzentrieren musst, damit Du ihn wahrnehmen kannst. Und da Du während so einer Konzentration nicht gleichzeitig denken kannst, sind die Gedanken verschwunden. Die Gedankenwolken haben sich aufgelöst, im Bruchteil einer Sekunde.

Das wird aber nicht lange anhalten – die Gedanken sind so mächtig, weil Du Zeit Deines Lebens süchtig nach ihnen bist und daher pausenlos denkst. Wenn Du das Denken aufgeben möchtest, musst Du einen Entzug machen – indem Du Dich immer wieder auf den inneren Ton konzentrierst. Und wenn Du ihn nicht mehr hören kannst und wieder alles voller Gedanken ist, dann gehst Du einfach zurück zu dem Ton. Mehr ist nicht zu tun.

Während Du auf den Ton hörst, wirst Du bemerken, dass in Dir plötzlich alles still und friedlich ist – und Du spürst ganz deutlich Deine Präsenz. Du spürst: Ich bin da! Das ist es! Das musst Du festhalten, dort musst Du bleiben, indem Du immer wieder auf den inneren Ton hörst.

Wenn Du den inneren Ton hören kannst, dann benutze diese Übung, denn sie ist unschlagbar sicher und einfach! Wenn Du aber auch nach mehrmaligem Probieren nichts hörst, dann versuche die Übung gleichzeitig unfokussiert nach innen und nach außen zu schauen. Diese Übung führt auch zur Auflösung von Gedanken und zum Erleben der inneren Stille und des inneren Friedens.

Wenn Du den Ton nach einiger Übung gut wahrnehmen kannst, dann versuche zu erkunden, ob da zwei oder mehr Töne zu hören sind. Sobald Du spürst, dass da mehrere Töne sind, wende Deine Aufmerksamkeit immer dem feinsten Ton zu. meiner Erfahrung nach kommen die feineren Töne eher „von rechts“. Das mag am Anfang schwer sein, weil der gröbere Ton lauter und deutlicher ist und Deine Aufmerksamkeit immer wieder auf sich zieht. Aber der Lohn der Mühe, Dich immer nur auf den feinsten Ton zu konzentrieren, ist unermesslich! Warum? Weil dieser Ton kein normaler Ton ist!

Man könnte ihn als den „Ton der Stille“ oder den „anfangslosen, unendlichen Ton“ bezeichnen (anahata nada). Soweit ich herausgefunden habe, handelt es sich um eine hochfrequente, energetische Schwingung des Bewusstseins selbst. Der innere Ton ist also kein im Bewusstsein erscheinendes Objekt, sondern eine direkte Repräsentation des Bewusstseins. Man hört das Bewusstsein selbst.

Je feiner der Ton wird, umso „näher“ an der Schwingungsfrequenz des Bewusstseins ist er – und umso feiner und subtiler werden auch Dein Bewusstsein und Deine Wahrnehmung. Du wirst zunehmend in der Lage sein, immer feinere Strukturen und Gefühle wahrzunehmen – auch in Bezug auf andere Menschen. Am Ende wird der Ton unhörbar – dann bist Du mit Deinem Bewusstsein direkt an der Quelle – und gleichzeitig ist die höchste Stufe der Subtilität und Feinheit des Bewusstseins und der Wahrnehmung erreicht.

Um es in einem Satz zusammenzufassen: Das Hören auf den inneren Ton konzentriert, läutert und verfeinert den Hörenden (das menschliche Bewusstsein) kontinuierlich, bis er fähig wird, das reine Bewusstsein an sich, direkt wahrzunehmen. Genau so war das bei mir – allerdings kann ich nicht sagen, ob die Methode direkt dazu geführt hat – oder lediglich die Voraussetzung dafür war, dass mir die Gnade zuteil wurde.

Das ist die eleganteste, einfachste und direkteste Methode, die ich kenne und sie wurde auch von Siddhartha Gautama (Buddha) als solche angesehen und benutzt. Aber das hat nichts mit irgendeiner Religion zu tun – es ist einfach eine elegante Methode, die jeder ohne weitere Anleitung anwenden kann. In der Surangama Sutra Seite 203-212 heißt es dazu:

[…] Auszug Seite 210:
Ananda and all you who listen here
Should inward turn your faculty
Of hearing to hear your own nature
Which alone achieves Supreme Bodhi.
That is how enlightenment is won. […]
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Anleitung:  Nada-Yoga
Wikipedia: Nada-Yoga

Zitat aus „The Stillness of the Silent Sound„: „Es ist überall und jederzeit präsent. Diese Urenergie stammt aus dem Ur-Purusha, dem Ich-Bin. . . Hier beziehen sich das Wort, das Leben und das Licht auf den Anahata-Nada oder OM, die ursprüngliche, allgegenwärtige und allmächtige Schwingung. . . Diese Musik, diese Ur-Energie, ist die Ursache für den Zyklus der Manifestation oder Evolution, Progression oder Erhaltung, und Vollkommenheit oder Involution des wahrgenommenen Universums.

Hier noch ein Zitat aus einem sehr empfehlenswerten Buch, das sich mit der Methode des Hörens auf den inneren Ton beschäftigt und das ich leider erst im Jahr 2017 gefunden habe:
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„Dieser mystische Ton ist wie ein heiliger Angelhaken der GNADE, zum Sucher hinabgeworfen, um ihm zu helfen, ihn von seinem gewöhnlichen Seinszustand wegzuziehen. Sich von seiner gewohnten Weise des Denkens und Fühlens zu entfernen und sich „leer zu machen“, ist der wesentliche, vorbereitende Schritt, um etwas von einer höheren Ordnung zu erlauben, die Leere zu füllen, die er in sich geschaffen hat.

Nur so kann der heiligende Abstieg der GNADE in ihm stattfinden und diese sein Wesen mit ihrer GÖTTLICHEN FLAMME erfüllen – das unerlässliche Instrument zur Reinigung und Umwandlung seiner niederen Natur, das ihn schließlich würdig und stark genug machen wird, um fähig zu sein, in der Gegenwart des HÖCHSTEN MONARCHEN zu stehen und seinen königlichen Blick zu ertragen ohne zurückzuschrecken.

Wenn der Sucher eine ausreichende Reinigung und Umwandlung durchlaufen hat, wird er in dem Maß, wie er gelernt hat, sich selbst zu „sterben“, unausweichlich aufsteigen und mit dem strahlenden Licht verschmelzen, so wie verdampfendes Wasser in die Luft aufsteigt und sich in der Sonnenhitze auflöst. […] Und jedesmal, wenn er seinen HÖCHSTEN INNEREN HERRN vergisst und erneut in sich einschläft, begeht er, ohne es zu merken, gegen sein eigenes Wesen, die schwerste Sünde, die es gibt.

In solchen Momenten kann wirklich gesagt werden, dass der Fall des Menschen, nicht mehr und nicht weniger ist, als dieses Merkwürdige Vergessen seiner selbst, das heißt, seiner HÖCHSTEN NATUR und des Bewusstseins von seiner Existenz. In diesem Zustand der Selbstvergessenheit werden alle falschen Handlungen im Leben begangen.

Mit Hilfe des mystischen Tones, hat der Aspirant eine bessere Chance, wachsam und mit seiner inneren Quelle verbunden zu bleiben und immer längere Perioden in einem Zustand der inneren Sammlung zu bleiben. Er wird schließlich selbst sehen, dass er nur dann, wenn der diesen Zustand des inneren Gegenwärtigseins fühlt, sich seiner Existenz bewusst ist. Die restliche Zeit, wenn er in seinem gewohnten Zustand des Vergessens ist, fühlt er seine Existenz kaum und kann, dem Grad seiner Abwesenheit entsprechend, gar kein Bewusstsein davon haben.“ [Quelle: Der Weg der inneren Wachsamkeit – Der Pfad zum inneren Licht und zur Verwirklichung der göttlichen Natur]