Der Doppelspiegel

Deine eigene augenblickliche geistige Situation wird dir in symbolischen, formgewordenen Bildern gespiegelt. Du siehst immer dich selbst, deine Umstände, die du dir selbst erschaffen hast.“

Diese beiden Sätze sind nicht korrekt – weil darin davon ausgegangen wird, dass da ein „Ich“ ist, das eine bestimmte innere Konfiguration und Befindlichkeit „besitzt„, die es „selbst geschaffen hat„. Weiters wird davon ausgegangen, dass „noch etwas“ da ist,  mit dem das „Ich“ eine Einheit bildet und das die inneren Befindlichkeiten des „Ich“ „nach außen“ spiegelt.

Man muss sich das viel mehr vorstellen, wie ein Planetarium, das durch mehrere Projektoren ein Weltall-Szenario ausstrahlt – und eine im horizontalem Drehpunkt des Planetariums montierte Weitwinkel-Kamera, die das Szenario zeitgleich aufzeichnet. Die Kamera wäre dabei die Sinnes-Wahrnehmung und das Planetarium „der unbekannte nach-außen-Spiegler“ – in Personalunion.

Was definitiv stimmt, ist, dass die Befindlichkeit (Anhaftung oder Ablehnung) im aufnehmenden Punkt Auswirkungen auf die Projektion hat. Das kann jeder selbst für sich feststellen – hier geschah das über Jahre, bei der genauen Beobachtung des Verhaltens im Straßenverkehr und die „Reaktion“ der „Welt“ auf dieses Verhalten. Wobei „Welt“ eben nichts anderes ist, als die Summe der individualisierten Daten- oder Wahrnehmungs-Ströme, die mittels Veränderung auf die inneren Befindlichkeiten aller betrachtenden Punkte reagieren.

Man stelle sich Fahrer A vor, der auf einer verkehrsreichen Straße einer Stadt unterwegs ist, auf die in kurzen Abständen Seitenstraßen von beiden Seiten einmünden. Wenn Fahrer A entspannt unterwegs ist und das Gefühl hat, genug Zeit zu haben, dann wird vielleicht plötzlich ein Fahrzeug B vor ihm auf die Hauptstraße einbiegen und langsamer fahren, als der Fahrer A. Wenn A gelassen bleibt, biegt B vielleicht nach 200 Metern wieder ab oder beschleunigt auf 60 km/h.

Geht A aber hoch, wie eine Rakete, weil B mit 50 km/h vor ihm her schleicht, obwohl die Höchstgeschwindigkeit 60 km/h beträgt, dann biegt B vielleicht nach 200 Metern ab – dafür biegt C auf die Straße ein und fährt nur 40. Bei weiterer A-Erregung kommt vielleicht noch D dazu, der nur 30 fährt. Und so weiter. Das ist nicht allegorisch, sondern wörtlich zu verstehen!

Wenn man jetzt fragt, wie so etwas passieren kann, denn „die Menschen handeln doch alle nach ihrem eigenen Willen“ – dann lautet die Antwort, dass es sich bei allen Fahrern um Träumer handelt. Und die einzelnen Träume werden so gesteuert, dass sie gegenseitig aufeinander eingehen. Das wirkt wie eine Multi-Kanal-Rückkoppelungs-Schleife. In Indien wird das „Indras Netz“ (=Hologramm) genannt, bei dem sich jeder Punkt des Universums in allen anderen Punkten spiegelt. Was natürlich dazu führt, dass sich alle Punkte gegenseitig beeinflussen. Nichts existiert für sich alleine, alles durchdringt sich gegenseitig und hängt von allem anderen ab.

Man kann das auch sehen, wie ein Multi-Kanal-Computerspiel (oder auch Simulation) mit 8 Milliarden Menschen-Spielern, ergänzt um Billionen Tier-Spieler und Billiarden Pflanzen-Spieler. Ergänzt von Bakterien, Viren und Einzellern, Steinen, Felsen, Erde, Wasser etc. Und alle diese Träume reagieren gleichzeitig  aufeinander.

Man kann das auf viele Arten erklären – aber keine darf ein „Ich“ oder eine „Gottähnliche“ Entität enthalten, denn so etwas gibt es nicht.

Es ist ein selbstausstrahlendes und selbstgewahrendes Erscheinungs-Feld. Dieses eine Feld erzeugt alle scheinbar vorhandenen Wahrnehmungsobjekte und gewahrt sie zugleich.

Man kann das auch mit einem Doppelspiegel vergleichen: A spiegelt B und B spiegelt A und Veränderungen in A werden in B gespiegelt, der auf die Veränderungen in A mit Veränderung reagiert, was wiederum Veränderungen in A bewirkt und diese wiederum in B. 

Da ist kein „Ich„, das eine von „Gott“ geschaffene Welt wahrnimmt und darauf reagiert, sondern nur ein Wahrnehmungs-Strom, der auf sich selbst reagiert.

Oder aber: Da ist eine sich selbst erzeugende und gewahrende, virtuelle Welt. Und alle scheinbar unabhängigen Wahrnehmungs-Punkte oder „Wesen“ darin sind Zellen dieser Welt – wie Leberzellen im menschlichen Körper.

Auch möglich: Da ist eine Lebens-Simulation, bei der alle Spieler so vernetzt sind, dass jeder Spieler auf alle anderen reagiert. Und zwar so, dass negative Einstellungen durch immer stärker werdende Außenreize so weit verstärkt werden, bis der bewertende Prozess „ermüdet“ und sein Bewertungs-Verhalten in die andere Richtung umkippt.