Kein Gedanke, keine Reflexion, kein Üben

Kein Gedanke, keine Reflexion, kein Üben, keine Absicht:
Lass es sich selbst dartun.

Bücher, Koan und Zazen
Verfehlen das Herz.
Nicht aber die Gesänge der Fischer.

Regen wirft sich auf den Fluss.
Ich singe mein Lied
Jenseits von alle dem.

Ikkyu Sojun 1394 – 1481

Eine weitere Zusendung eines Zen-Splitters.

Nichts weiter zu sagen

Während er die Versammlungshalle betrat, sprach seine Ehrwürden:

„Der Besitz vieler Arten von Kenntnissen lässt sich nicht mit dem Aufgeben der Suche nach irgendetwas vergleichen. Das ist das Beste aller Dinge.

Es gibt nicht verschiedene Arten von Geist, und es gibt keine Lehre, die in Worte gefasst werden kann.

Da nichts weiter zu sagen ist, wird die Versammlung geschlossen.„

Huang Po


Das war eine erneute Zusendung eines Lesers.

Reines, nicht wahrnehmbares Bewusstsein, formlos, geruchlos, flüchtig, nicht fest, unsichtbar, projiziert sich als physisch wahrnehmbare Formen in sich selbst hinein und nimmt diese Formen wahr. Projektor, Projektionsfläche und Gewahrer in EINEM – ein vollkommenes Nullsummenspiel.

Alle für uns vorstellbare und unvorstellbare Formen können erzeugt werden, weil die EINE Ursache vollkommen eigenschaftslos ist. Ein reiner Spiegel kann jegliches Licht reflektieren und je klarer und unverzerrter er ist, umso weniger wird er als Spiegel erkannt werden.

Huang Po sagt es weitaus kompromissloser, ohne einen Hauch von Erklärung. Man muss aber auch bedenken, dass er Ostler war, die nach dem Prinzip agieren: Friss oder stirb. Westler tragen ihren “Schülern” alles hinterher. Manchmal habe ich das Gefühl, dass ein Faustschlag zur exakt richtigen Zeit, in einigen Fällen, erheblich nützlicher sein könnte, als eine Erklärung.

Warum? Weil es eben nicht darum geht, mehr Wissen aufzubauen, mehr Erklärungen zu bekommen, sondern den ganzen Rotz in einem einzigen Schlag zu vernichten. Bumm – plötzlich steht die Realität da – die schon immer da stand aber der ganze Überbau von Weltbild und Vorstellungen hat sie verdeckt.

Eine temporäre, durchschlagende Erschütterung der Glaubenssätze, mehr ist nicht nötig, weil die Wirklichkeit sich selbst erkennt und nicht “der Mensch” die Wirklichkeit.

Gut und Böse

Gut und Böse existieren, das kann man überall beobachten. Wir dürfen das aber nicht nur auf der menschlichen Ebene betrachten, sondern müssen uns gewahr sein, dass es potentiell nahezu unendlich viele Ebenen, relativen Lebens geben könnte. Wenn das so wäre, dann gäbe es zum Beispiel überwiegend materiell orientierte Wesen, wie die Menschen – und weitaus höher stehende, zum Beispiel rein energetische Wesen, die wir als “Götter” bezeichnen können. Zwischen diesen beiden Extremen ist jede Ausprägung denkbar.

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Energiewirbel

Heute Nacht lag ich erneut wach im Bett, schwebte im Nichts der Leere und schaute die Energie. Plötzlich tat es einen Schlag und ich sah die Energie nicht mehr, wie durch einen dünnen, dämpfenden Schleier, sondern sie war direkt vor mir. Gleich darauf wurde erkannt, dass die Energie nicht vor mir war, sondern in mir und und aus mir kam.

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Der Bewusstseins-Ozean

Der vorherige Beitrag zeigt ein Bild des Bewusstseins, wie es Merrell-Wolff skizziert hat. Er zeigt, dass das Universum von einem Bewusstsein-ohne-Objekt projiziert wird. Was mich dabei stört, das ist der Ausdruck “das Universum” – denn faktisch ist es so, dass jedes projizierte Wesen eine eigene Blase ist, in die das von ihm wahrgenommene Universum hinein projiziert wird.

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Aphorismen auf Bewusstsein-ohne-Objekt

Diese Aphorismen von Franklin Merrell-Wolff gehören zu einer Bewusstseinsebene, auf der sich Denken und Musik vereinen. Sie sind Samen, die sich zu einem umfassenden System der Philosophie entwickeln können, während sie zugleich eine Substanz sind, die der Seele Nahrung gibt. Es ist nicht notwendig, dass der Leser sie versteht. Man sollte sie als Brennpunkte für die Meditation verwenden und ihre Bedeutung in seinem Bewusstsein entwickeln lassen, so wie eine Pflanze aus Samen wächst. Zuerst sind sie Symbole und Konzepte danach. Als Konzepte erleuchten sie den Weg zum Verstehen. Als Symbole öffnen sie die Tür zur Verwirklichung jener Wirklichkeit, die nicht gefühlt oder gedacht werden kann.

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Lichtfäden

Heute Nacht lag ich wieder längere Zeit wach. Gleichzeitig waren die inneren Lichtphänomene stärker als sonst wahrnehmbar. Es blitzt und für jeweils einen winzigen Moment ist dann ein Meer von Lichtfäden zu erkennen. Da das an “verschiedenen Stellen” gleichzeitig geschieht, ist es nicht so leicht zu beobachten. Es scheint auch so zu sein, dass man es sehen wollen muss, um es sehen zu können. Also erst muss der Wunsch oder Wille da sein, dann kommt das Sehen von selbst – wenn die nötige Sensibilität vorhanden ist.

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Derjenige, der schreibt oder spricht, ist keine Person

Derjenige, der schreibt oder spricht ist keine Person,
sondern die Erscheinung einer Person.

Derjenige, der meint zu leben, ist kein Wesen,
sondern die Erscheinung eines Wesens.

Derjenige, der glaubt glücklich zu sein, ist kein Glücklicher,
sondern die Erscheinung eines Glücklichen.

Derjenige, der etwas unternimmt, ist kein Unternehmer,
sondern die Erscheinung eines Unternehmers.

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Es gibt eine Wirklichkeit, die schon vor Himmel und Erde existiert

Es gibt eine Wirklichkeit, die schon vor Himmel und Erde existiert.
Sie hat keine Form, geschweige denn einen Namen.
Augen können sie nicht sehen.
Sie hat keine Stimme, die Ohren hören könnten.
Sie Geist oder Buddha zu nennen, verletzt ihre Natur,
wie das Trugbild einer Blume wäre sie dann.
Nicht Geist noch Buddha ist sie;
vollkommen ruhig erleuchtet sie in wunderbarer Weise.
Nur dem klaren Auge ist sie wahrnehmbar.
Das Dharma ist sie und wirklich jenseits von Form und Klang.
Das Tao ist sie, und Worte haben nichts mit ihr zu tun.
In der Absicht, Blinde anzuziehen,
ließ Buddha seinem goldenen Munde
spielerische Worte entspringen;
seitdem sind Himmel und Erde überwuchert
mit dichtem Dornengebüsch.
Oh meine lieben und ehrenwerten Freunde,
die ihr hier versammelt seid:
Wenn ihr euch danach sehnt, die donnernde Stimme
des Dharma zu hören,
gebt eure Worte auf, entleert eure Gedanken,
denn nur dann könnt ihr so weit kommen,
das eine Sein zu erkennen.


A reality exists, even before heaven and earth;
It has no form, much less a name.
Eyes fail to see it. No voice has it for ears to hear.
To call it ‘‘Mind’’ or ‘‘Buddha’’ violates its nature.
For then it becomes like some visionary
flower in the air.
It is not ‘‘Mind’’ nor ‘‘Buddha.’’
It is absolute quiet, yet illuminating in
a mysterious way.
It allows itself to be perceived only
by the clear-eyed.
It is Dharma, truly beyond form and sound.
It is Tao, having nothing to do with words.
Once, wishing to entice the blind,
the Buddha playfully let words escape his golden
mouth. Ever since, heaven and earth have become full
of entangling briars. Oh my good worthy friends
gathered here, if you wish to hear the thunderous
voice of the Dharma, exhaust all your words,
empty all your thoughts.
For only then may you come to realize, at last,
this one essence.

Daio Kokushi (1235-1308)

Danke Dir, J.S. für die Zusendung! Auch diesen Text kannte ich bislang noch nicht.