Personen sind keine Illusionen, genauso wenig, wie Handlungen – aber sie sind nicht selbstständig und unabhängig! Sie sind von der Lebenskraft erzeugte Strukturen, die von ihr belebt und gesteuert werden. Die eigentliche Illusion ist der Glaube, dass die Kombination aus Person und Körper eine unabhängige Einheit ist und die von ihr ausgehenden Handlungen und Unterlassungen nach Belieben steuern kann.
Du bist es
Ein Mann kam zur Tür der Geliebten („Gott„) und klopfte.
Eine Stimme fragte »Wer ist da?«
»Ich bin es«, antwortete er.
»Hier ist nicht genug Platz für dich und mich«,
sagte die Stimme, und die Tür blieb geschlossen.
Nach einem Jahr der Einsamkeit und Entbehrung
kam der Mann wieder und klopfte erneut.
»Wer ist da?« fragte die Stimme.
»Du bist es«, sagte der Mann,
und die Tür wurde geöffnet.
Rumi
„Ich bin alles“ oder „Du bist alles„, impliziert, dass da ein Ich/Du wäre, das alles ist. Das ist falsch!
„Alles/Leben ist Ich/Du„, sagt aus, dass Ich/Du eine unpersönliche Funktion des Lebens ist.
Das Feld
Doppelleben
Heute Nacht kam eine Email herein, von jemandem, der mir ab und zu schreibt. Er meinte wörtlich: „Du musst doch in gewisser Weise ein brutales Doppelleben führen, alles was menschlich und Welt ist, für 99% der Menschen, ist doch für dich hinfällig, immer mehr…„
Das „gute“ Ego und das „böse“ Ego
…sind beide nur eine Illusion, basierend auf wert- und substanzlosen gedanklichen Strukturen.
Es gibt weder gute, noch böse Egos – nur informelle Referenzpunkte, genannt Menschen, die das Leben schafft, um durch sie hindurch zu wirken.
Name, Adresse, Beruf, Eigenschaften, Konfession, Glaube, Vorstellungen, Ideen – das sind alles, nur gedankliche Strukturen, die auf den automatisch geschehenden Lebensstrom aufgesetzt sind.
Profitieren wollen – helfen wollen
Wenn jemand da ist, der sich nur seine eigenen Taschen füllen will – wer ist das?
Wenn jemand da ist, der helfen will und nur das Beste tun will – wer ist das?
Ist das wirklich etwas unterschiedliches?
Oder ist nur die Richtung unterschiedlich aber der oder das, was das will, ist identisch?
Und was ist dasjenige, das mit solchen Überlegungen absolut nichts zu tun hat, sondern spontan und planlos/grundlos handelt?
Realität und Glaube
Realität ist einfaches, nacktes Sehen, dessen, was gerade da ist.
Glaube ist das für wahr halten von Gedanken und Worten über das, was gerade gesehen wird oder was aus anderen Quellen erfahren wurde.
Realität ist sehen, Glauben ist denken.
Just enjoy the Show – ist falsch
Die Tatsache, die im gestrigen Beitrag beschrieben wurde, kam gestern hoch, nachdem gestern den halben Tag lang der Satz „Just enjoy the show“ immer wieder hoch kam. Dieser Satz stammt aus einem Lied von Lenka und begleitet mich schon seit fast zehn Jahren. Er hat mir damals, in einer Zeit starker innerer Not, buchstäblich den Arsch gerettet. Aber gestern war das anders. Gestern kam der Satz immer wieder hoch, weil ich fühlte, dass etwas damit nicht stimmt. Am Abend schließlich öffnete sich das Feld und ich konnte sehen, dass dieser Satz einen Erfahrenden impliziert.
The show enjoys itself
Der Gesang des Vogels, das Hundegebell, der Duft der Blume oder des Hundehaufens, in den der Fuß gerade getreten ist. Wahrgenommen, jeweils ohne dabei zu denken: „Vogelgesang„, „Bellen„, „Blumenduft„, „Scheiße„.
Das ist es, das ist reines Leben, das ist reines Sein – sowohl der wahrgenommene Ausdruck, als auch die Wahrnehmung – aber ohne Vorstellung eines Ausdrückenden und Wahrnehmenden und ohne Kopf-Papagei und Kopf-Kino.
The show enjoys itself.
That’s it.
Leben geschieht sich selbst.
Alles andere ist überflüssiger Ballast:
Gedanken (innere und äußere Worte), Vorstellungen, Ideen, Bilder, Annahme, Ablehnung…
Was ist Erleuchtung?
So sieht Ruwenda das: Was ist Erleuchtung?
Man könnte hinzu fügen: einen wahren Meister gibt es nicht, denn ein wahrer Meister ist nur noch Leben in seiner reinsten Form – und davon gibt es, soviel ich weiß, nur extrem wenige – oder, anders herum: alle sind wahre Meister, denn alle sind das reine Leben – aber sie wissen es nicht.
Die „Person“ oder das „Ich“ ist nichts anderes, als eine gedankliche Struktur, oder eine Informations-Struktur. Ohne Zwangs-Denken kann das gesehen werden, mit Zwangs-Denken eher nicht, denn die Aufrechterhaltung der illusionären Person erfolgt ja gerade durch das zwanghafte Denken, das ständig um sich selbst (ich) herum kreist.
Das, was „ich“ sagt, ist die gedankliche Vorstellung, dieser Körper zu sein und die Handlungen zu vollziehen. Und wo kein zwanghaftes Denken mehr stattfindet, ist demnach jegliche gedankliche Vorstellung beendet – außer sie wird bewusst wieder aufgenommen. Daher gibt es auch keine gedankliche Angst mehr, denn auch diese basiert nur auf Gedanken. Natürlich produziert der Körper noch Angstgefühle, in gefährlichen Situationen – aber das Denken kreist nicht mehr darum.
Man kann es noch anders sagen: Leben geschieht und Zwangsdenken geschieht. Bei manchen Menschen fällt das Zwangsdenken weg und hinterlässt damit, im Endstadium, nur noch reines Leben. Mit anderen Worten: alle sind wahre Meister (reines Sein, reines Leben) – aber die Mehrheit merkt es nicht, weil reines Leben wie der feine und leise Gesang eines kleinen Vogels ist und das Zwangsdenken dem Gekreische eines voll aufgedrehten Ghettoblasters gleicht. Alle sind reines Leben – aber nur wenige merken es wegen des zwanghaften Gekreisches in ihrem Kopf.
Der Stille im Kopf folgt die Erkennung der STILLE, die das Sein, das Leben ist. Das ist schon alles und wenn vorher die Verschmelzung erfolgt ist, wird ab dem Moment jegliche Vorstellung von Machbarkeit und Macher zerstört, die noch vorhanden ist oder wieder entsteht. Das Leben sieht, ob noch Individualität (Ich-Empfinden) vorhanden ist oder nicht – und es schlägt solange zu, bis sich da nichts mehr regt. So ist es zumindest hier.