Vipassana-Einstiegs-Übung

Ich bekam gestern eine Mail, von jemandem und demjenigen möchte ich helfen, zu erfahren, wie sich das Körper-Energiefeld anfühlt. Und da ich davon ausgehe, dass das auch für andere von Nutzen sein kann, mache ich das hier im Blog.

Lege dich auf den Rücken, zB ins Bett und entspanne dich. Dann winkle die Ellenbogengelenke so an, dass die Unterarme senkrecht in die Höhe stehen, während die Oberarme auf dem Bett bleiben. Halte die Finger entspannt und leicht ausgestreckt, so dass sie die Handfläche und sich gegenseitig nicht berühren. Balanciere die Unterarme so aus, dass sie senkrecht über dem Ellenbogen-Gelenk stehen und kein Kraftaufwand nötig ist, sie oben zu halten.

Dann fühle entspannt in eine oder beide Hände hinein. Nach einer Weile solltest du ein Kribbeln spüren, das immer stärker wird. Bleibe dabei, und fühle entspannt weiter. Dann behalte die Hände weiter im Fokus aber weite das Beobachtungs-Feld aus, zB um die Hände herum und die Arme hinunter bis zum Ellenbogen.

Wenn du sensitiv genug bist, solltest du mit der Zeit soweit kommen, dass du den gesamten Körper auf diese Weise fühlen kannst. Das, was da gefühlt wird, ist das Körperenergiefeld. (Bodymind) Wer sensitiv genug ist, spürt eine ungeheure Menge von gleichzeitig aufblitzenden und wieder verschwindenden Licht- bzw. Energiepunkten.

Wer noch die alten Röhrenfernseher erlebt hat, der kennt auch das „Bild des weißen Rauschens“ (klick) nach Sendeschluss. So ähnlich, wie im verlinkten Video, fühlt sich das Körperfeld an – und übrigens auch der Raum außen herum und zwischen den Gliedmaßen.

Bei mir wurde die Kundalini ursprünglich ausgelöst, als Arme und Beine, in der Badewanne liegend, senkrecht nach oben gestreckt wurden und der Raum dazwischen gefühlt und als „weißes Rauschen“ erfahren wurde. Das war aber nur deswegen der Fall, weil es zuvor noch ganz andere Erfahrungen gab, die letztlich dazu führten. Das Fühlen des Raumes war nur der letzte Schritt.

Meine Erfahrung ist, dass es keinen leeren Raum gibt. Das, was wir als leeren Raum erfahren, ist in Wirklichkeit randvoll mit energetischen Fluktuationen höchster Potenz. Ich kann diese Fluktuationen fühlen und (innerlich) sehen. In tiefer Dunkelheit kann ich sie sogar mit den physischen Augen sehen.

Ich sage es noch einmal: das hat nichts mit Okkultismus oder Esoterik zu tun! Leben ist ein geistig/energetisches Phänomen, das, wenn es mit nicht konditionierten Sinnen, also rein energetisch, erfahren wird, wie eine sehr schnell flimmernde Pixelmatrix wirkt.

Diese Matrix umfasst nicht nur „den eigenen Körper„, sondern ausnahmslos alles. Es gibt zwischen den einzelnen Pixeln oder Punkten keinerlei Trennung. „Ich„, „mich„, „mein„, „du„, „dich„, „dein„, „Subjekte„, „Objekte“ (= Trennung) erzeugt nur das Gehirn, weil es so programmiert ist. Und „das Gehirn“ ist auch nur eine Untermenge dieser schnell schwingenden, ungeheuren Masse an Pixeln bzw. Punkten.

Ich bin keineswegs ein Supermann oder außersinnlich begabt oder besonders begünstigt – wie der Mail-Schreiber glaubt. Ich bin ein ganz normaler Mensch, der einfach nur entspannt hinschaut. Und wenn man das mehr oder weniger ununterbrochen tut, dann sieht man mit der Zeit immer mehr Dinge dieser Art… Das ist ganz normal.

Wenn man zB ständig eine Kampfkunst oder künstlerische Tätigkeit trainiert, wird man irgendwann gut und immer besser. Aber wenn man gar nicht trainiert oder sofort wieder damit aufhört oder es nur lustlos tut, dann ist vielleicht das Potential da, dass aus diesem Körper ein Top-Kämpfer oder Top-Künstler wird – aber es manifestiert sich nicht.

Genau das sagt übrigens auch Dogen in Bezug auf Zazen: Das Sitzen selbst ist die Manifestation der immer schon vorhandenen Erleuchtung – aber wenn man nicht sitzt, manifestiert sie sich nicht. Dabei darf man „das Sitzen“ oder in meinem Fall „das Fühlennicht als aktive Übung verstehen.

Das Sitzen ist eine Einladung, dass sich „etwas“ in diesem „leeren Raum“ manifestiert. Gleiches gilt für das entspannte energetische Fühlen dessen, was gerade da ist. Es ist eine Einladung zur Manifestation – keine aktive Übung.

Vipassana wird im Allgemeinen so gelehrt, dass man etwas fühlt und sich dann gedanklich sagt: „das ist ein Gedanke„, „das ist ein Gefühl“ etc. Dieses „Notieren“ ist gut, wenn man noch gar keine oder nur wenig Konzentration aufbringen kann. Wenn aber die Konzentration bereits so gut ist, dass man das gesamte „Beobachtungsfeld“ ständig und ohne jede Mühe erfasst, kann man es so machen, wie hier beschrieben.

Siehe dazu auch das hervorragende Vipassana-Video von Daniel Ingram.