Das Gedächtnis

Was ist eigentlich das Gedächtnis? Ganz einfach ein Datenspeicher aller Vorkommnisse und Daten, der bisherigen Lebenszeit. Solange der Inhalt nicht ständig abgerufen wird, wie das bei mir ist, ist das relativ harmlos. Wenn aber der Inhalt ständig abgerufen wird, trägt er dazu bei, die Illusion einer sich in der RaumZeit bewegenden Person zu erzeugen.

So gesehen bin ich gesegnet mit einem grottenschlechten Gedächtnis. Bei mir überwiegen bei weitem die Zeiten, in denen einfach gar nichts gewusst wird. Da ist nur das Gefühl der eigenen Existenz im Vorderkopf, das auf Tensionen oder Reflexionen des Bewusstseins in sich selbst beruht. Ansonsten ist da nur noch das weite Gefühl des leeren Bewusstseins, das den Hintergrund bildet.

Möglicherweise hat auch die seit vier Jahren vorhandene Fähigkeit, vollkommen mühelos gedankenfrei zu sein, damit zu tun, dass der Speicher so schlecht funktioniert. Es gibt ja auch keinerlei innere Bilder oder sonstige Inhalte. Da ist einfach nur ein einziges, dunkles Feld vollkommener Leere, die bis zum Rand gefüllt ist mit tiefem Frieden. Das kann man auch STILLE nennen, denn da ist nichts außer dem und es ist vollkommen unbewegt und still. Es ist vollkommen unmöglich zu sagen, was ich wirklich bin. Die Worte STILLE, LEERE und FRIEDEN zeigen nur, wie sich das anfühlt aber nicht, was es wirklich ist und wie es agiert.

Das Ganze vertieft sich selbstständig – da ist keinerlei bewusste Aktivität mehr und keine Intention, das selbst zu machen.

Als Hinweis: Wer den Drang verspürt, diese Stille zu erleben und aus seinem Gedankengefängnis auszubrechen, dem kann gesagt werden, dass es temporäre Möglichkeiten gibt, das zu erleben.

  • Hören auf den inneren Ton
  • Absichtlich laaaangsam zu denken – dann spürt man die Stille zwischen den Gedanken.
  • Einen echten Meister zu besuchen, der seinen Bewusstseinszustand energetisch übertragen kann. Das hat allerdings den Nachteil, dass man sich damit zwangsläufig abhängig macht.

Das alles ist aber immer nur temporär – selbst die Übertragung des Bewusstseins kann nur aufrechterhalten werden, durch permanente Übung und Vertiefung. Letztlich wird aber erfahren, dass all diese Aktivitäten nicht durch einen selbst aufrecht erhalten werden können – das ist dann die Kapitulation des Egos. Nur die reale Macht des einzig existierenden Bewusstseins, in dem all das stattfindet, kann einen dauerhaften und selbsterhaltenden Zustand erzeugen. Zumindest war das bei mir so.

Aber auch temporäre Zustände haben ihren Nutzen – denn man wird regelrecht süchtig danach und kann nicht mehr damit aufhören, sie aufzusuchen. Man will die Stille unter allen Umständen aufrechterhalten, schafft es aber nicht und muss zwangsläufig aufgeben. Das mag primitiv sein – aber diese erzwungene Aufgabe ist es, was letztlich dazu geführt hat, dass die Stille von innen heraus dauerhaft konstituiert wurde. Die Verzweiflung „es“ nicht schaffen zu können, selbst dann nicht, wenn alle vorhandenen Kräfte eingesetzt werden und noch mehr – das führt zum inneren Zusammenbruch der eingebildeten Kontrollinstanz.

Und bereits am nächsten Morgen kam die „helfende Hand“ und hat gezeigt, was die wirkliche Macht ist und dass sie in einer Mikrosekunde tun kann, was „der scheinbare Mensch“ selbst in Jahrzehnten harter Arbeit niemals selbstständig erreichen kann. Bei UG war das ähnlich, nur hat er bereits als kleines Kind meditiert oder meditieren müssen und nichts geschah. Erst Jahrzehnte später, nach seiner bedingungslosen Kapitulation, geschah „es“ ihm.

Ich sehe „Wege“ als letzte Aufbietung aller Kräfte, des eingebildeten Menschen, „das Ultimative“ zu erreichen. Was dabei wirklich geschieht, ist, dass der eingebildete Handelnde seine eigene Machtlosigkeit und Nicht-Existenz erfährt. Wenn der „Weg“ wirklich ernsthaft gegangen wird, muss er zum inneren Zusammenbruch führen. Und in diesem Zusammenbruch aller inneren Strukturen wird dann erkannt, dass man schon ist, was man jahrelang vergebens gesucht hat. Es ist völlig unmöglich, dass man etwas erreichen kann, was man schon ist – und jeder scheinbare Schritt darauf zu, muss einen zwangsläufig davon entfernen.

Nur in stillem Verharren, kann die STILLE aufscheinen, die man schon immer ist und niemals verlassen kann. Und nur die permanenten „mentalen Geräusche“ sind es, welche die Stille verdecken. Man kann sie temporär relativ einfach überwinden, indem man einen Anker auswirft, an dem man sich festhält – dann ist die Stille unmittelbar fühlbar. Der Anker, der hier benutzt wurde, ist der innere Ton.