Lernprozess

  1. Ich gehe eine Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Bürgersteig
    Ich falle hinein.
    Ich bin verloren und hilflos, das ist nicht mein Fehler.
    Es dauert eine Ewigkeit, um aus dem Loch heraus zu kommen.
    .
  2. Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Bürgersteig.
    Ich tue so, als ob es nicht da ist.
    Ich falle wieder hinein.
    Ich kann nicht glauben, dass ich im gleichen Loch sitze – aber das ist nicht mein Fehler.
    Es dauert eine lange Zeit um wieder aus dem Loch heraus zu kommen.
    .
  3. Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Bürgersteig.
    Ich sehe, dass es da ist.
    Ich falle wieder hinein – das ist ein antrainiertes Verhalten.
    Meine Augen sind offen – ich weiß wo ich bin.
    Das ist mein Fehler.
    Ich komme sofort wieder aus dem Loch heraus.
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  4. Ich gehe dieselbe Straße entlang.
    Da ist ein tiefes Loch im Bürgersteig.
    Ich gehe um das Loch herum.
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  5. Ich gehe eine andere Straße entlang…

Bei manchen Menschen dauert es endlos lange, bis sie sich darauf besinnen, eine andere Straße zu benutzen. Aber das ist immer noch besser, als das zu tun, was die Massenmenschen immer tun: sie gehen immer nur eine Straße, nämlich die, die von 99.99% genutzt wird – weil sie nicht alleine gehen wollen. Deswegen sitzen die Massenmenschen auch zusammengepfercht in einem tiefen schwarzen Loch.

Wenn einer versucht, daraus zu entkommen, werden loyale Mitglieder der Masse (Sitten- und Moral-Wächter) versuchen, ihn daran zu hindern. Aber es gibt keine Gewalt, die dauerhaft verhindern kann, dass ein Liebhaber der inneren Freiheit diese benutzt und die Masse hinter sich lässt.

In der Bibel gibt es eine Stelle, an der sich Lots Frau, die zusammen mit ihrem Mann vor dem Untergang von Sodom und Gomorra gerettet wurde, aus Wehmut zu dieser Stadt umdreht – und zur Salzsäule erstarrt. Mit anderen Worten: Wer die Massen-Welt hinter sich lässt, muss seinen eigenen Weg/Straße gehen, ohne sich umzudrehen und erneut wehmütig auf die Massen-Welt-Straße zu schauen.

Jedes vom Leben projizierte Wesen ist eine spezielle Perspektive, mit dem sich das Leben an dieser Stelle, mit diesen Umständen selbst erfährt. Kein Wesen  ist jemals auch nur einen Mikrometer vom Leben getrennt – weil das Leben „jeder“ IST. Daher schaue ich nur auf „meine“ Straße.