Putins Einsicht in die staatliche Souveränität

Auch wenn die Zweiteilung der Welt in souveräne Staaten und Kolonien nicht so eindeutig ist, wie manche meinen, so ist die Beobachtung von Präsident Putin doch eine äußerst zutreffende, wenn auch vereinfachte Art und Weise, den globalen systemischen Übergang zur Multipolarität zu verstehen. Die Länder werden entweder freiwillig Kolonien des US-geführten Westens bleiben oder dem Weg Chinas, Äthiopiens, Indiens, Irans, Venezuelas und anderer Länder folgen, um ihre Souveränität zu stärken.

Präsident Putin teilte Ende letzter Woche bei einem Treffen mit jungen Unternehmern im Vorfeld des Internationalen Wirtschaftsforums in Sankt Petersburg (SPIEF) einige wichtige Erkenntnisse über die staatliche Souveränität mit. In seinen Worten: „Es gibt kein Dazwischen, keinen Zwischenzustand: Entweder ist ein Land souverän, oder es ist eine Kolonie, egal wie die Kolonien heißen. Der russische Staatschef führte aus, dass es mindestens vier Formen der Souveränität gibt: militärisch-politische, wirtschaftliche, technologische und soziale.

Zum letzten Punkt fügte er hinzu: „Ich spreche von der Fähigkeit der Gesellschaft, sich zusammenzuschließen, um nationale Herausforderungen zu lösen, die Geschichte, die Kultur, die Sprache und alle Ethnien zu respektieren, die sich ein einziges Gebiet teilen. Diese Konsolidierung der Gesellschaft ist eine der Grundvoraussetzungen für Wachstum. Ohne Konsolidierung werden die Dinge auseinander fallen.“

Der globale systemische Übergang zur Multipolarität hat sich nach dem Beginn der laufenden russischen Militäroperation in der Ukraine und der Verabschiedung der kontraproduktiven antirussischen Sanktionen des von den USA geführten Westens als Reaktion darauf in beispielloser Weise beschleunigt.

Amerika hat seine schwindende unipolare Hegemonie über Europa erfolgreich bekräftigt, indem es seine Vasallenstaaten dazu zwang, ihren eigenen Volkswirtschaften massiven Schaden zuzufügen, indem sie seinen antirussischen Forderungen nachkamen. Keiner dieser Staaten sowie die nicht-westlichen Staaten wie Japan und Singapur, die ebenfalls diesem Beispiel folgten, können als souverän bezeichnet werden. Im Gegenteil, sie verkörpern die postmodernen Kolonien, die Präsident Putin in seiner Rede beschrieb, die nun erläutert werden soll. [Weiterlesen]