Advaita, Buddhismus oder direkte Erfahrung? – Update

Advaita und Buddhismus sind mir zu kompliziert und textlastig. Beide erschaffen zuerst durch umfassendes Textstudium eine “View” im Verstand, ein “korrektes Weltbild“, um dann auf dieser Basis zu praktizieren und zu erwachen. “Ich glaube, dass Brahman existiert” und irgendwann nehme ich das dann auch wahr. (Self-fulfilling prophecy).

Das ist in meinen Augen zum Einen problematisch, da die Ergebnisse vorgegeben werden – und es ist langwierig. Ich bin eher ein Freund spontaner und direkter Erfahrung und weniger von Texten, die nur darauf verweisen.

Die Sache an sich ist relativ einfach: Es gibt Bereiche im Körper, die sind von Natur aus frei von Gedanken, weit und teilweise auch schmerzfrei. Die nachfolgend genannten “Bereiche” sind etwa faustgroß.

  1. Der erste Bereich ist unterhalb des Nabels, im Zentralkanal. (Hara)
  2. Der Zweite ist ebenfalls im Zentralkanal der Wirbelsäule, in Brusthöhe (spirituelles Herz)
  3. Der dritte ist mitten im Kopf, auf Augenhöhe im Zentralkanal, im Kreuzungspunkt der Schläfen und zwischen Augen und Hinterkopf.
  4. Der vierte Bereich, in Form der drei Mahasiddha-Zentren, mehrere Meter über dem Kopf.
  5. Der nur wenige Millimeter durchmessende Zentralkanal der Wirbelsäule in seiner ganzen Länge kann ebenfalls genutzt werden.

Wer in einem dieser Bereiche ruht, ist automatisch weit und still. Und wer das dauerhaft tut und diesen Bereich erforscht, der wird irgendwann endgültig “erwachen“. Prinzipiell kann Gedankenfreiheit und Weite überall im Zentralkanal der Wirbelsäule erfahren werden.

Ich nutze das zB auch, wenn ein körperlicher Schmerz das Einschlafen behindert oder verhindert. Dazu gehe ich als Bewusstsein entweder in einen der faustgroßen Bereiche oder direkt in den Zentralkanal der Wirbelsäule, der nur wenige Millimeter dick ist.

Aber er ist im Bewusstsein relativ einfach zu erfahren, denn die linke/rechte bzw. vordere/hintere Wandung kann eindeutig gefühlt werden. Einfach beide Wandungen detektieren und dazwischen ruhen.

Wer dort ruht, ist “sehr weit vom Schmerz entfernt“, der zudem nur wie durch einen Vorhang gefühlt wird. Das ist kein spirituelles Bypassing (Vermeidung), denn der Schmerz wird ja komplett gefühlt, ist aber so abgeschwächt, dass er nicht als Schmerz gefühlt wird, sondern eher wie eine normale Wahrnehmung.

Bei wem das Fühlvermögen zu gering ausfällt, muss entweder das Fühlen trainieren (Meditation+Vipassana) – oder er versucht absichtlich langsam zu denken und untersucht dabei die Lücken dazwischen.

A, 2 Sek. Pause, B, Pause, C, Pause, D, Pause, etc.
Mit dem “Gedankeninhalt (A/B/Ich/BlaBla)” und der Länge der Pause kann beliebig experimentiert werden.

Das ist so einfach, dass jeder damit experimentieren kann. Die Pause zwischen den Gedanken ist der leere, stille, natürliche Zustand, von dem hier die Rede ist. Die Gedanken an sich sind nicht schlimm – aber das Kleben an ihnen und die Identifikation damit.

Es gibt keinen Background, aus dem alles hervorgeht, auch nicht in Form eines “ewigen Gewahrseins” oder “Brahman“, das ein “Universum” gewahrt. Bewusstsein oder Gewahrsein tritt nur auf, wenn es sich etwas bewusst ist. Und das, dessen es sich gewahr ist, ist ebenfalls Bewusstsein bzw. Gewahrsein, also geistig.

[Nichts] – [Selbstgewahrende Wahrnehmung] – [Nichts] – [Selbstgewahrende Wahrnehmung] – etc

Das Ganze“, “das Universum” oder “die Welt” ist ein ewiger, unaufhörlicher Fluss von “selbstgewahrenden Wahrnehmungen“, die in einem so schnellen Wechsel kommen und vergehen, dass es so erscheint, als ob immer etwas da ist – daraus entstand “das ewige Hintergrund-Gewahrsein” Brahman.

Das ist aber eine Illusion, basierend auf zu geringer Fühl-Auflösung – bzw. falscher und geglaubter Information aus den Schriften. Im Vipassana-Training bzw bei bereits vorhandener hoher Auflösung wird relativ schnell klar, dass jedem “Ping” (1) eine leere Lücke (0) folgt. Und nur, weil die sechs Sinneskanäle (inkl. Mind) mit ca. 12.5 KHz (~Nada-Frequenz) beschickt werden, kommt soviel Input, dass das Ganze lückenlos wirkt – ist es aber nicht, es flackert und vibriert mit hoher Frequenz.

Die Wirklichkeit ist immer hier und kann von jedem direkt erfahren werden, ohne jemals etwas darüber gelesen zu haben. Andernfalls gäbe es keine Schriften, denn irgendwann  wurde es ja zum ersten Mal erfahren – und dann aufgeschrieben. Also nicht lesen, sondern experimentieren und direkt selbst erfahren.

Ramana Maharshi sagte dazu:

  1. Brahman is real
  2. The Universe is unreal
  3. The Universe is Brahman

Mit anderen Worten: es gibt nur den energetischen, geistigen, virtuellen, nicht-materiellen Vordergrund (Universum = Brahman = selbstgewahrende Erscheinungen) und keinen Hintergrund, der es gewahrt bzw. aus dem es hervorgeht (das wäre zudem dual). Manche nennen den Vordergrund, das einzig Existente:  “Selbst“. Man kann es aber auch “IchIch“, “Gott“, “Egon” oder “Idiot” nennen.


Nachtrag:

Ich hatte hier noch etwas vergessen: Die Wirklichkeit besteht zwar nur aus Einem – das ist aber zweigeteilt in einen leuchtend-schwarzen und weißen Teil. Man könnte es so sagen: Hinter jedem weißen Pixel steckt ein schwarzer Pixel. Der weiße gehört zur Manifestation und der schwarze zum Ursprung. Aber wie gesagt, beide Teile gehören zusammen, wie wenn eine weiße Farbe in schwarz gemischt wird – nach einiger Zeit ergeben sich spiralige Streifen und wenn man weiter mischt, entsteht grau. Die beiden Teile können zusammen oder getrennt erlebt werden – und zwar voll bewusst.