Sein oder Nicht-Sein

Wenn das Fühlen mit den Ursinnen längere Zeit benutzt wird, um die Struktur der Realität zu erkennen – und dabei versucht wird, jegliche Welt-Vorstellungen auszulöschen, dann wird letztlich eine Art “schwarzer Raum” oder Feld aus “schwarzem Licht” erkannt, was völlig bewegungslos ist und “in” oder “über” dem nur die wellenartigen und sich gegenseitig überlagernden “Wahrnehmungen” sind. Es geht auch noch weiter hinein aber jedes weitere “Hineingehen” zieht immer mehr Aufmerksamkeits-Energie vom “Er-Lebens-Feld” ab und macht ein Funktionieren zunehmend schwieriger.

Es ist durchaus möglich, durch weiteres Hineingehen in die Unpersönlichkeit und das Nicht-Sein, sich soweit emotional vom “Er-Lebens-Feld” zu entfernen, dass absolut nichts mehr “juckt” und “alles am Arsch vorbei geht“. Das war hier aktiv und kann jederzeit wieder aktiviert werden, dazu ist nur eine “Lage-Änderung” nötig.

Es wäre in diesem Extrem-Modus zB möglich, einem Massaker beizuwohnen, sich unberührt umzudrehen, weg zu gehen und nachts wie ein sattes Baby einzuschlafen. Das wirkt wie die Teflon-Beschichtung einer modernen Bratpfanne: Absolut nichts haftet. Das Erlebens-Gefühl dazu ist: “unbeweglich und unberührbar wie ein Berg, ohne Erinnerungen, Gedanken, Emotionen und Gefühle”.

Ich kann nicht genau beschreiben, wie die “Lage-Veränderung” funktioniert, nur wie es sich anfühlt: wie ein fast unmerkliches “inneres Verrücken” oder “inneres Zurück-Ziehen“. Wie eine Waage, die eine feine Balance zwischen “Sein” und “Nicht-Sein” hält – und dasjenige, dem sie sich mehr zuneigt, wird stärker “be-tont“. Sein = Berührt-Sein, Nicht-Sein = Unberührt-Sein.

Wenn sie bekannt sind, dann sind beide “Er-Lebens-Modi” jederzeit zugänglich und das Verhältnis der beiden Modi zueinander kann im Bruchteil einer Sekunde stufenlos “reguliert” werden. Es erscheint mir jedoch gesünder, nur einen leichten Kontakt zu halten mit dieser absolut unpersönlichen Nicht-Seins-Ebene und gleichzeitig hier zu funktionieren, Freude zu haben und auch mit der “sozialen Konstruktion” soweit verbunden zu sein, um darin mitzuwirken und auch Fehl-Entwicklungen zu erkennen.

Es gibt sehr empathische Menschen, die jeglichen Schmerz der Umgebung oder gar der ganzen Welt fühlen können – oder besser müssen. Das müsste hier auch möglich sein, dazu müsste “die Waage” auf das Extrem des absoluten “Berührt-Seins” geneigt werden. Aber wozu sollte das gemacht werden? Auch hier erscheint es praktikabler, eine gesunde Balance einzuhalten und weder in das Eine, noch das andere Extrem abzugleiten.

Im Mittelalter gab es Extremisten, die sich geißelten, um “in das Himmelreich” zu gelangen. Da dieses aber völlig unmöglich irgendwo anders sein kann, als genau “Hier und Jetzt“, muss ich da nicht mehr hin, denn da bin ich schon. Wenn man es sich klar überlegt, haben die Extremisten sich selbst “hier und jetzt” die Hölle bereitet, um in einer hypothetischen Zukunft, die nie eintreten wird, “in den Himmel” zu gelangen. Völlig Ver-rückt! So etwas richtet nur ein blinder Glaube an…

Religion und Staat fordern: “Sei unvermögend=arm und glaube blind was wir sagen
Selbst-Erkenntnis fordert:   “Sei vermögend=talentiert, glaube niemandem, erkenne selbst”