Es gibt KEINEN freien Willen!

Was es gibt ist: Freiheit von der Wahl.

Schopenhauer sagt es so: Der Mensch kann zwar tun, was er will, aber er kann nicht wollen, was er will.

Beide Aussagen sind zu 100% richtig!

Wer glaubt, dass er selbst einen freien Willen hat, glaubt auch, dass andere einen solchen haben und sieht dann auch, dass sie sich richtig oder falsch verhalten. Derjenige, der das glaubt heißt: Verstand.

Somit ist ein Mensch, der glaubt, dass er und andere einen freien Willen haben, in den Verstand verstrickt und mit ihm identifiziert.

Jeder Mensch wird aber eindeutig definiert durch seine psychophysische Konstruktion (Genetik) und seine Prägung (Erziehung, Ausbildung, Erfahrungen, Überzeugungen, Vorstellungen). Seine individuellen Handlungen ergeben sich aus den Umweltreizen, der psychophysischen Konstruktion, der Prägung, den Einflüssen der Lebenskraft, und den sogenannten “Gunas” (Eigenschaften). Die Kombination der verschiedenen Einflüsse erzeugt in jedem Moment einen einzigartigen Selbst-Ausdruck – der nicht veränderbar ist. Daraus ergibt sich schlüssig, dass es keinen freien Willen gibt. Ein Ego, das behauptet, einen freien Willen zu haben lügt schlicht und einfach, um die Tatsache zu verschleiern, dass es völlig machtlos ist.

Die Gunas sind drei unterschiedliche und gegenläufige Kräfte oder Eigenschaften, die in jedem Wesen in einer sich ständig ändernden Mischung aktiv sind:

  1. Sattva (Reinheit, Klarheit, Tendenz zur Selbsterkenntnis)
  2. Rajas (Unruhe, Gier, Getriebenheit, Tendenz zum Habenwollen und/oder Verändernwollen)
  3. Tamas (Trägheit, Dumpfheit, Verblendung, Ignoranz, Tendenz nichts zu tun)

Rückschluss auf die gerade wirkende Kraft:

  1. Wenn ein Mensch hauptsächlich an Selbsterkenntnis interessiert ist, dann ist “Sattva” dominierend.
  2. Hängt er an der physischen Manifestation und will unbedingt Dinge und Ereignisse haben oder verändern, dann ist “Rajas” dominierend.
  3. Ist er überwiegend faul und kommt nicht vom Sofa hoch, dann ist “Tamas” dominierend.

Kein Mensch kann sich diesen, automatisch in ihm ablaufenden, Phasen entziehen und muss sie erdulden, solange sie andauern.

Für alle Menschen, auch für solche, die bereits ein Erleuchtungserlebnis hatten, ist wichtig:
Wenn bemerkt wird, dass eine Verstrickung in den Verstand stattfindet, dann muss man sich sofort umwenden und an seinem Bewusstsein festhalten – also an sich SELBST. Wer das tut ist immer im Moment und kann beobachten, was vor sich geht. Somit kann er unmöglich weiterhin das Opfer seines Verstandes sein, weil er dessen Aktivität beobachten kann, ohne davon beeinflusst zu werden.

Sich während der Wachphase ununterbrochen an sich SELBST festzuhalten, ständig im Moment zu sein, das nenne ich: ununterbrochen in Meditation zu sein.
.

Wie man sich an sich selbst festhält

Diejenigen, die sich mit ihrem Körper oder Ego identifizieren, also nicht wissen, wer oder was sie wirklich sind, können eine Dauerübung machen:
Frage Dich in Gedanken: “Wer bin ich?” und lausche in Dich hinein, wo der Gedanke erklingt und wieder verschwindet. Genau an “diese Stelle”, wo Du den Gedanken in Dir spürst, gehst Du mit Deiner Aufmerksamkeit hin und bleibst dort. Bei mir war das am Anfang im Kopf und später in der Mitte der Brust. Sobald wieder Gedanken oder Ablenkungen aufkommen oder Du merkst, dass Du von Deinem Halt losgelassen hast, stellst Du die Frage erneut und gehst erneut an Deinen Haltepunkt. Das machst Du solange, bis Du aus Gewohnheit, ununterbrochen und ohne eigene Bemühung, an dir selbst festhältst.

Wer sich diese Frage nicht stellen will, kann sich alternativ am inneren Geräusch festhalten. Wer das innere Geräusch nicht kennt: Ohren zuhalten, das jetzt hörbare Rauschen oder hohe Pfeifen ist das innere Geräusch. Merk Dir, wie sich das anhört und versuche es zu hören, ohne die Ohren zuzuhalten – dazu musst Du dich am Anfang voll darauf konzentrieren. Solange Du konzentriert auf dieses Geräusch hörst, kannst Du nicht denken und wenn du anfängst zu denken oder abdriftest, verlierst Du das innere Geräusch. Wenn Du merkst, dass Du das Geräusch losgelassen hast, konzentrierst Du Dich erneut darauf.

Es gibt aber einen Haken dabei: Man muss, sobald man das Geräusch nach einer gewissen Übungszeit problemlos dauerhaft hört, vom Geräusch auf die innere Präsenz (=Bewusstsein) umschalten und sich dort festhalten. Das ist wichtig, weil das Geräusch zur physischen Manifestation gehört – das Bewusstsein aber nicht – und weil immer das gestärkt wird, worauf die Aufmerksamkeit ausgerichtet wird.

Beide Verfahren kosten zwar ständige Aufmerksamkeit aber keine einzige Sekunde an zusätzlicher Zeit und sind die effektivsten Methoden, um immer bei sich selbst zu sein – das SELBST zu sein. Je länger man diese Übungen macht, umso leichter fällt es einem und irgendwann ist es zur ständigen Gewohnheit geworden. So ist das bei mir – und ich muss mich nicht einmal mehr fragen oder irgendwo festhalten – ich bin einfach immer präsent und kann ohne Probleme meine Arbeit tun und in der Welt funktionieren.

Wer jetzt glaubt, dass das, was hier steht darauf hinweist, dass es doch einen freien Willen gibt, der täuscht sich! Weder das Schreiben dieses Textes durch mich, noch das Lesen dieses Textes durch Dich, noch die Befolgung der hier beschriebenen Ratschläge oder die Nichtbefolgung – unterliegen einem freien Willen. Alles geschieht genau so, wie es geschehen muss – ALLES!

Das bedeutet, dass derjenige, welcher nicht bereit ist, diese Ratschläge anzunehmen, entweder diesen Text gar nicht zu Gesicht bekommt oder sofort wegklickt oder sich an den Kopf fasst und den Schreiber dieser Zeilen für bekloppt hält. Keinesfalls wird ein Mensch, der das nicht tun soll, diese Ratschläge in Betracht ziehen oder befolgen!