Wahrnehmung

Heute Nacht kam es wieder zu einer unstrukturierten, total chaotischen Wahrnehmung. Dann gibt es kein Zentrum, keine Illusion eines Wahrnehmenden, sondern nur noch die reine Wahrnehmung von Blitzen in allen für mich erfahrbaren Spektralbereichen: Taktil, Schall, Licht, Energie, Geist. Das muss man sich so vorstellen, dass kein erfahrbares Zentrum da ist, nur diese Wahrnehmungsblitze, die keinem Sinn zuzuordnen sind. Es blitzt einfach überall und zwar nicht etwa hintereinander – nein – total chaotisch und überall gleichzeitig.

Wenn man das erlebt, bekommt man plötzlich eine Ahnung davon, was für eine ungeheure Arbeit der Übersetzungsmechanismus eines menschlichen Gehirns leisten muss, um in diesem Chaos einen Baum zu erkennen. Das ist im Prinzip eine unscharfe Mustererkennung, indem Hoch- und Tiefpassfilter eingesetzt werden, um das für den menschlichen Verstand und den gesellschaftlichen Kontext, in dem dieser operiert, nicht erklärbare Rauschen auszufiltern. Nur dadurch entsteht ein scheinbar klares Sicht- und Hörerlebnis. Das ist das Ergebnis einer rein willkürlichen Unterdrückung von scheinbar unwichtigen Impulsen und Verstärkung durch Konzentration auf scheinbar wichtigere.

Unser sogenanntes „Weltbild“ ist das Ergebnis einer Fuzzy-Mustererkennung (Fuzzy=Unschärfelogik), die aus einem ungeheuer schnellen Wirbeln und Blitzen das herausfiltert, was im jeweiligen gesellschaftlichen Kontext keinen Sinn macht und das verstärkt, was einen Sinn macht. Wobei das Herausfiltern wichtiger ist – einfach deshalb, um Ruhe in das Bild hinein zu bringen, denn ansonsten würde man sofort erkennen, dass die scheinbar feste Welt nur ein Bild ist, das man sich in einer undurschsichtigen Nebelsuppe von einem flüchtigen Schatten macht. Dann wird aus einem Seil, das irgendwo liegt und nur als unscharfer, mehrfach gebogener Linienschatten gesehen wird, die bekannte Schlange Maharshi’s.

Unser sogenanntes „Weltbild„, mit all seinen „Wichtigkeiten“ ist nur ein, aus einem chaotischen Blitzen, künstlich herausgefilterter Kontext. Es wäre wahrscheinlich problemlos möglich, in diesem schnellen Aufblitzen und Verlöschen, viele Millionen total verschiedener Kontexte zu konstruieren.

Mit anderen Worten: „Die Welt“ ist einfach nur ein chaotischer Haufen von blitzartigen Wahrnehmungen, die da sind oder auch nicht. Die Wichtigkeit, die ihnen zugeordnet wird, ist lediglich ein konstruierter Kontext, die diesem Chaos übergestülpt wird. „Trump“ oder auch „Merkel“ ist nur ein unscharfes und flüchtiges Bild in dieser Nebelsuppe und um es scharf zu halten, muss der Filter- und Erkennungs-Mechanismus ungeheuere Arbeit leisten.

Kein Wunder, dass das Gehirn nach 16 Stunden restlos erschöpft ist und wenn es nicht die Schubladen gäbe, die dieser Mechanismus einrichten muss, um nicht überlastet zu werden, dann wäre es vielleicht schon nach zwei Stunden erschöpft. Man denke nur daran, wie ermüdend es ist, im dichten Nebel Auto zu fahren – die Leistung des Erkennungsmechanismus muss dabei mindestens im Quadrat der Geschwindigkeitszunahme steigen, um zu verhindern, dass man von der Straße abkommt. Um das Gehirn dabei zu unterstützen, gibt es die Straßenbegrenzungen (Linien, Pfosten).

Mit der Vipassana-Technik kann man ähnliche Erfahrungen machen – dazu ist aber eine lange Übungszeit notwendig. Wie man sieht, benötigt man sie nicht, denn die Erfahrung kann auch ohne Technik gemacht werden – wenn es dazu an der Zeit ist.

Der Mensch“ ist also so etwas, wie eine computertechnische Höchstleistungsmaschine, die so konstruiert ist, dass sie aus einer chaotisch blitzenden Ursuppe einen stringenten Kontext erzeugt, der einen Anschein von Logik und Sinn vermittelt. Auf gut fränkisch: „Friss Scheiße und stelle Dir vor, dass es bester Kaviar mit Champagner ist – oder Blutwurst mit Kartoffeln.