Nicht zu kämpfen ist feige!

Ich habe gerade einen Artikel gelesen, in dem ein verheirateter Mann die Frage stellt, ob es besser wäre, einen Angreifer abzuwehren oder sich von ihm im Meditationssitz erschießen zu lassen.

Bedeutet eine spirituelle Entwicklung automatisch den Verzicht auf den gesunden Menschenverstand, zugunsten eines universellen Annehmens von allem und jedem? Selbstverständlich nicht! Wir alle leben hier auf diesem Planeten, müssen uns irgendwie am Leben halten und versuchen, so gut, wie möglich zu leben. Das beinhaltet normalerweise auch das Eingehen einer Beziehung und die Zeugung und das Aufziehen von Kindern – damit einher geht normalerweise auch die Liebe zum Partner und zu den eigenen Kindern.

Sich widerstandslos erschießen zu lassen, wäre in diesem Fall gleichbedeutend mit der schutzlosen Auslieferung von Frau und Kindern an die Angreifer, was mit ziemlicher Sicherheit deren Tod bedeuten würde. Das ist keinesfalls Liebe oder Pazifismus – das ist erbärmlichste Feigheit! Ich muss irgendwelche Angreifer nicht hassen – denn Hass verdunkelt das klare Denken und beeinträchtigt die Reaktion – aber ich muss sie auch nicht lieben und ihr Leben höher stellen, als meines!

Ich halte es da mit dem alten Testament: Auge um Auge, Zahn um Zahn! Das weinerliche Getue der Pazifisten ist in meinen Augen ekelerregend! Ich liebe den Kampf und den Krieg nicht und ich würde ihn gerne vermeiden – aber wenn es so kommt, dann werde ich mich und meine Familie vor Angriffen verteidigen.

Die Haltung, den Angreifer zu schonen und ihn das eigene Leben nehmen zu lassen, und das der Familie, kann nur aus einem total verdrehten Selbstverständnis kommen und aus massivem Selbsthass! Und genau das ist es, was die Mehrzahl der Deutschen davor zurückhält, ihre natürlichen Rechte wahrzunehmen. Aber das muss ja nicht so bleiben – es braucht nur einen entsprechenden Reiz, um eine explosive Reaktion hervorzurufen.

Sich nicht zu verteidigen ist Feigheit, Dummheit und eine verdrehte Sicht auf das Leben. Und mit „verteidigen“ ist hier nicht nur die Verteidigung des eigenen Lebens gemeint. Die Bhagavad-Gīta bietet mit dem Kriegerdialog zwischen Krishna und Arjuna einen klaren und nüchternen Einblick in das blutige Geschäft des Lebens. „Spirituell“ zu sein, bedeutet eindeutig nicht, aus weinerlichen Gefühlen heraus den Kampf zu scheuen, sondern mutig in den Kampf zu gehen, wenn es sich nicht vermeiden lässt.

Es bedeutet aber auch nicht, irgendwelche Wahrheiten über aktuelle Vorkommnisse zu schreiben, die ohnehin niemand erfahren will und dafür dann noch in den Knast gesteckt zu werden. Im ersten Fall geht es Mensch gegen Mensch: „Der will mein Leben nehmen und das meiner Familie – das versuche ich unter Einsatz meines Lebens zu verhindern.“ Im zweiten Fall geht man als Einzelner gegen einen übermächtigen Staatsapparat an, der mittlerweile so gestaltet ist, dass deutsche Kritiker automatisch ins Unrecht gesetzt und kriminalisiert werden – und die Mehrheit scheint das zu tolerieren und sogar gut zu finden. Dagegen anzuschreiben ist Dummheit. Hier muss man abwarten, wie sich die Dinge weiter entwickeln.

Jeder Mensch sollte soviel Klarheit haben, um das eindeutig unterscheiden zu können. Das ist leider nicht der Fall – allerdings auch nicht mein Problem. Wenn ich sämtliche Dummheit kritisieren wollte, die ich den ganzen Tag um mich herum erlebe, dann reichten 24 Stunden am Tag nicht aus. Täte ich so etwas wirklich, wäre ich noch dümmer, als die kritisierten Dummen. Soll doch jeder leben, wie er es tut – solange er auch meine Art zu leben respektiert – und mich in Ruhe und Frieden leben lässt.

Nachtrag: Wer Spiritualität so begreift, dass er überhaupt nichts für sich nehmen darf und alles geschehen lassen muss, weil es ja kein gut und böse gibt – der ist ein weltfremder Träumer und nicht fähig, auf diesem Planeten zu leben! Wir leben hier und hier ist Dualität und die lässt sich auch nicht ausschalten – somit gibt es gute Menschen und böse Menschen! Und wir dürfen hier keineswegs die Verhältnisse erwarten, wie man sie vielleicht in einer Meditation oder Vision erlebt hat – das wäre vollkommen weltfremd!

Man stelle sich nur einen Latschen tragenden Pazifisten vor, wie er ein Friedensplakat schwenkend und mit einem freundlichen Lächeln einer stark bewaffneten, gegnerischen Truppe entgegentritt, die sich schießend auf ihn zubewegt. Der merkt es noch nicht einmal, so schnell stirbt er im konzentrierten Feuer. Liebe ist ja gut und schön – man kann auch seine Feinde lieben – aber man muss sich trotzdem verteidigen, wenn man angegriffen wird.

Soweit ich das erkennen kann, sind wir noch viele Lichtjahre entfernt von einem friedlichen Zusammenleben der Menschheit. Solange es nicht einmal in den meisten Familien friedlich zugeht, solange Kinder von Pfarrern vergewaltigt werden, solange „Ungläubige“ vergewaltigt und getötet werden, solange die Politik sich willig von den Finanzmächten lenken lässt – solange wird es keinen Frieden geben! Es gibt ja noch nicht einmal Frieden in den einzelnen Menschen, solange sie von ihrem Verstand und ihren Vorstellungen tyrannisiert werden! Erst dann, wenn in der Mehrheit der Menschen Frieden herrscht, erst dann können wir auf einen globalen Frieden hoffen. Das ist aus heutiger Sicht völlig aussichtslos!

Hinzu kommt ja noch, dass es haufenweise Menschen gibt, die sich willig für die irren Ansichten irgendwelcher Religionsführer opfern – weil sie zu dumm sind, um die Wahrheit zu erkennen. Also muss neben Frieden in den Menschen auch noch genügend Intelligenz vorhanden sein, um zu wissen, was richtig und falsch ist und ob sie gerade von jemandem benutzt werden oder nicht. Damit sieht es noch viel schlechter aus, als mit dem Frieden – wie Einstein bereits feststellte: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit, aber bei dem Universum bin ich mir noch nicht ganz sicher.

Nein, einen globalen Frieden wird es in absehbarer Zeit nicht geben. Der einzige Friede, den ein Mensch schaffen kann, ist in sich selbst und indem er das tut, hilft er gleichzeitig der Welt, denn Welt und Bewusstsein sind eine untrennbare Einheit.