Ist Anadis Lehre unnötig komplex?

Fragen aus einer Mail-Zuschrift:

Ach, wie war noch die Begrifflichkeit von meinem ersten großen Lehrer und Meister – Maharishi Mahesh Yogi – einfach. Samadhi ist hier Transzendentales Bewusstein (also a) das Überschreiten des Denkens und b) das Verweilen darin). Und eine Stabilisierung des Transzendentalen Bewusstseins ist das Kosmische Bewusstsein, was noch zum Gottesbewusstsein erweitert wird, wenn man die subtilsten Ebenen der Schöpfung durch Anschauung kennt. Eine Lokation von Bewusstsein wird hier nicht gemacht – im Gegensatz zu Anadi, der es sogar mit einem Gehirnlappen in Verbindung bringt.

Andere Autoren – Patanjali, Yogananda, Shivananda, Brahmananda Sarawati und Stellen wie Bhagavadgita – sind nicht so sehr an der Lokalität interessiert, sondern am Beschreiben der Eigenschaften, und machen einem so den Mund wässrig. Das kommt hier viel zu kurz und es kommt mir so ungeheuer technisch vor. Maharishi hätte gesagt, „wenn ich in den Genuss einer Mango kommen will, muss ich nicht deren chemische Zusammensetzung kennen, sondern hineinbeißen.

Ich stelle hier die provokante Frage, ob Anadi nicht selbstverliebt eine solch komplizierte Begrifflichkeit schätzt und propagiert oder noch schlimmer sogar durch sein starkes Bewusstsein und Intellektualität erst produziert? Ich liebe provokante Fragen, denn sie kitzeln manchmal mehr Wahrheiten heraus als braves, kopfeinziehendes Andeuten einer Frage.


Antwort:
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Die Antwort ist einfach: Maharishi und alle anderen haben immer nur die unpersönliche Erfahrung ihres eigenen Bewusstseins gemacht. Daraus ergibt sich, dass es für sie ausreichte, einfach nur ihr Bewusstsein zu realisieren und sich über das Portal am Hinterkopf an das universelle Bewusstsein anzukoppeln. Da die meisten Inder ohnehin nur aus ihrem mühseligen Leben weg wollten, war ihnen das genug..

Anadi ist der Erste, der erkannte, dass es auch noch eine persönliche Komponente gibt, die unbedingt entwickelt werden muss. Das bedingt aber, dass das Wesen, um das es hier geht – die Seele aka das individualisierte Bewusstsein (ICH) – alle Portale und Schnittstellen mit einem personalisierten „Teilchen“ besetzen muss, damit es möglich wird, dass „jemand“ (ICH) in Kontakt mit dem Absoluten kommt und nicht nur „niemand„.
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Wie entsteht das „personalisierte Teilchen„? Indem sich die reine innere Aufmerksamkeit auf einen Bereich im Bewusstsein konzentriert, wodurch ihre Subjektivität dort als „Teilchen“ kristallisiert. Anadi nennt das „bare attention„. Dieses Teilchen wird durch weiteres „verkörpern“ (Konzentration der inneren Aufmerksamkeit darauf) fester und schließlich dauerhaft. Wenn es dauerhaft ist, dann ist an dieser Stelle ein sekundäres ICH entstanden, so dass es möglich ist, dass die Hingabe durch „jemanden“ erfolgt und nicht durch „niemanden„.
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Und da es im Bewusstsein mehrere Portale gibt, müssen logischerweise auch mehrere sekundäre ICH’s erzeugt werden, die sich alle über ihr zugeordnetes Portal an das Absolute hingeben. Die Gesamtheit des Bewusstseins, inklusive der subjektiven „ICH-Teilchen„, nennt er „multidimensionales Wesen„. Man muss das nicht alles machen, kann sich auch nur mit dem Portal am Hinterkopf und dem bewussten Ich an der Stirn beschäftigen, dann wird man aber niemals die Tiefe erreichen, die möglich ist.
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Dein Problem ist, dass Du gelernt hast, wie es ist, mit Rollschuhen ohne Kennzeichen zu fahren. Anadi erklärt nun, wie man mit einem Straßenkreuzer fährt, der ein Kennzeichen hat und alle Dimensionen Deines Seins abbildet. Das ist Dir alles zu kompliziert – aber niemand zwingt Dich, das weiter zu machen, Du kannst ja bei Maharishi bleiben. Andererseits, wenn in Dir kein Antrieb wäre, woanders zu suchen, wärst Du gar nicht auf Anadi gestoßen und ich übrigens auch nicht, denn ich habe die Adresse aus Deinem Blog. Das ist auch der Grund, warum ich so ausführlich antworte. Ein anderer Grund ist, dass ich genau merke, was der Grund für Deine Fragen ist: Du willst es von innen heraus aber Dein Verstand sucht das Haar in der Suppe. Du wirst auch welche finden, denn Du willst welche finden.
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Wenn Du wirklich mit Anadi arbeiten willst und/oder seine Erkenntnisse nutzen willst, dann fange einfach mit dem Portal am Hinterkopf an. Verkörpere es und gib Dich dem universellen Bewusstsein solange hin, bis es stabil geworden ist. Während dieses Prozesses wirst Du aufgrund der Selbstliebe und Schönheit der Gefühle und Erfahrungen, die dabei auftreten, erkennen, dass es sich hier nicht um „selbstverliebte Hirnfürze“ handelt. Nach und nach wird sich auch herauskristallisieren, was Du da tatsächlich tust: Du etablierst Deine erste dauerhafte Verbindung/Schnittstelle mit der Quelle.
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Warum ist das Bewusstsein eine Kopie der Quelle? Weil wir ein kompletter Mikrokosmos sind, in dem alles enthalten ist, was auch in der Quelle ist. Die Quelle ist der allein existierende Ozean des Bewusstseins. Jede Seele ist ein Tropfen dieses Ozeans, umgeben von einer energetischen Membran, welche ihn vom Ozean abtrennt und daher individualisiert. Bewusstsein ist eine Art homogenes Energiefeld und daher an allen Stellen gleich. Damit ist jeder Tropfen Bewusstsein eine exakte Kopie des gesamten Bewusstseins-Ozeans / Bewusstseins-Feldes, das die Quelle ist.
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Die Komplexität rührt daher, dass die Quelle intern aus verschiedenen Teilen besteht (universelles Bewusstsein, Absolutes-Ich-Bin, Ur-Ich-Bin…), die in das Quell-Bewusstsein „hinein gefaltet“ sind, wie bei einem Hologramm. Diese Anteile sind daher ebenfalls im Seelen-Kokon enthalten und dienen dort als Portal zu den entsprechenden Teilen des Ozeans. Anadi benutzt zur Veranschaulichung der Quelle ein Schichten-Modell.
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Hinweis: Das darf man nicht versuchen zu er-denken – man muss es fühlen…