Spirituelle Märchenbücher

Im Grunde genommen gibt es keine spirituelle Literatur, auf diesem Planeten, die brauchbare Anleitungen enthält, wie man sich selbst erkennt, seine innere Subjektivität erweckt, verkörpert, stabilisiert und integriert – mit einer Ausnahme: das, was Anadi darüber publiziert hat.

Alles andere ist immer entweder fragmentiert, enthält nur Teile der Wahrheit, ist eine totale Vereinfachung oder eine glatte Lüge. Sämtliche Texte, die in diese Kategorie fallen, bezeichne ich ab jetzt als spirituelle Märchenbücher.

Darunter fällt grundsätzlich alles, was mit vereinfachender Nicht-Dualität (zB. Neo- oder Pseudo-Advaita) zu tun hat, alles, in dem behauptet wird, man müsste nur still in dem Wissen „Ich-Bin“ ruhen oder dass bereits alle Menschen erleuchtet sind. Unter Advaita fallen auch die Bücher von Maharshi und Maharaj, die außerdem keinerlei praktisch relevante Anleitungen liefern. Die Bhagavadgita und die Veden negieren jegliche Individualität. Die Upanishaden enthalten einiges an Wahrheit, sind aber unvollständig.

Sämtliche Pseudo-Gurus, die Satsangs anbieten, kann man unbesehen in die Tonne klopfen – weil Satsangs nichts anderes sind, als Märchenstunden für Naivlinge mit genug Geld, um den Eintritt zu bezahlen. Dazu gehören auch sämtliche Figuren, die behaupten bei Poonjaji und ähnlichen Leuten „erleuchtet“ worden zu sein – eine glatte Lüge, denn Poonjaji war nicht erleuchtet – er hatte allenfalls ein „Erleuchtungserlebnis“ vorzuweisen (stand in der offenen Tür), wenn überhaupt.

Soweit ich weiß, hat Maharshi niemals gesagt, dass einer seiner Anhänger (zB Poonjaji) Erleuchtung erreicht hätte. Gleiches gilt für Maharaj (zB Balsekar). Auch unter Osho-Anhängern wird man keine Erleuchteten finden, die sie auf Osho zurück führen können – denn auch Osho war nicht erleuchtet – auch er stand maximal in der offenen Tür. Osho war vor allem eines: ein Lebenskünstler, der es glänzend verstand, mit seinen „weisen“ Sprüchen andere um den Finger zu wickeln und sie für seinen Lebensstil (zB 93 Rolls Royce) zahlen zu lassen.

Leute, die sich als „erleuchtet“ bezeichnen, obwohl sie maximal ein „Erleuchtungserlebnis“ vorzuweisen haben und davon leben, andere „zu lehren“ – gehören eindeutig zur stark wachsenden Erleuchtungs-Industrie, die einen Zweig der Esoterik-Industrie darstellt.

Was bleibt dann noch übrig? Rumi? Überwiegend spirituelle Dichtung aber keine brauchbare Anleitungen. Osho? Der hat überwiegend Texte aus  Shivaismus und Tantra ausgeschlachtet. Buddhismus? Zen? Dzogchen?

Für mich gibt es eindeutige Kriterien, ob jemand ein echter Lehrer ist oder nicht: er muss dauerhaft und stabil bewusst sein, muss seine Subjektivität verkörpern, seinen Verstand vollständig beherrschen, aktiv meditieren und einfach nachvollziehbare und nachweislich funktionierende Anleitungen liefern können, wie man die Bewusstseins-Zustände und die dauerhafte Verbindung zum Universellen und Absoluten, die er für sich reklamiert, erreichen kann.

Wer einen Lehrer nur vorspielt aber zum Beispiel noch zwanghaft denkt, den kann man anhand der Haltung und Bewegung seiner Augen, des Kopfes und teilweise auch des Körpers entlarven. Zum Beispiel deuten zwanghafte Körperbewegungen eindeutig auf Unbewusstheit hin. Außerdem kann man einen Lehrer-Schauspieler anhand seiner dummen Sprüche oder seines Schweigens identifizieren, wenn man ihn direkt auf bestimmte Zustände anspricht, zB wie es sich anfühlt, mit dem universellen Bewusstsein verbunden zu sein oder mit dem Absoluten, wie Präsenz sich anfühlt und Absenz, was Hingabe/Surrender bedeutet und so weiter. Ein ganz wichtiges Kriterium ist, ob sich seine „Lehre“ im Laufe der Zeit verändert oder ob er immer wieder die gleichen Sprüche absondert. Echte Spiritualität ist eine unendliche Reise in die eigene Subjektivität und ins Universelle und Absolute – sie muss zwangsläufig immer wieder neue und sich entwickelnde Erkenntnisse und Erfahrungen erbringen, wenn sie echt ist.

Es ist äußerst einfach, sich einige Advaita-Texte reinzuziehen und auswendig zu lernen, um unbedarfte Naivlinge damit zu beeindrucken, in jeder Situation den passenden Spruch parat zu haben. Früher hat man so etwas mit lateinischen Sprüchen gemacht, um in der Gesellschaft als „gebildet“ zu gelten. Weiter fallen darunter alle auf „Heilig machende„, alle, die behaupten, für jede Lebenslage eine Lösung zu bieten, alle, die behaupten, dass man nichts tun muss, um erleuchtet zu werden und alle, die behaupten, dass alle bereits erleuchtet sind.

Soweit, wie ich das ganze überblicken kann, ist die spirituelle Reise in sich selbst und das Absolute hinein eine harte Arbeit, die den ganzen Menschen fordert. Angsthasen, Feiglinge, Massenmenschen, Gesellschafts-Verhaftete, Disziplinlose und alle, die eine einfache und schnelle Lösung bevorzugen, sind in meinen Augen absolut ungeeignet, sich mit Selbsterkenntnis zu befassen. Die sollten sich besser an die Esoterik-Industrie halten mit: Neo-Advaita-Gurus, Satsangs und den vielen bunten Konsum-Erzeugnissen, wie Räucherstäbchen und spirituelle Märchenbücher.

Selbsterkenntnis ist ein inneres, praxisorientiertes, kunstvolles Handwerk, das man erlernen muss und zum Ziel hat, die subjektiven Zentren des Bewusstseins zu erkennen, zu aktivieren, zu stabilisieren, zu verfeinern und zu integrieren – und dann ins Absolute zu verschieben. Lesen oder Vorlesen von spirituellen Märchenbüchern gehört nicht dazu. Niemand kann durch einen spirituellen Text erleuchtet werden, denn wahre Erleuchtung ist das dauerhafte Leben im eigenen Bewusstsein unter Aufrechterhaltung einer feinen Balance zwischen Präsenz und Absenz und der Überwindung jeglicher relativer Wahrheit, wie sie in Texten enthalten ist – um sich dauerhaft mit der absoluten Wahrheit des Universellen und Absoluten zu verbinden und sich immer weiter dort hinein zu entwickeln.

Ein einmaliges oder mehrmaliges „Erleuchtungserlebnis“ als Erleuchtung zu bezeichnen ist eine krasse Fehleinschätzung, basierend auf totaler Selbstüberschätzung und/oder Unwissenheit. Ich gehe davon aus, dass es, wenn überhaupt, bisher nur extrem wenige (einstellig) vollständig Erleuchtete bzw. Selbst-Realisierte auf diesem Planeten gegeben hat – die wirklich dauerhaft in ihrer Subjektivität lebten und fest mit dem Universellen und Absoluten verbunden waren und sich da hinein entwickelten.

Maharshi war im Universellen und Absoluten – aber er negierte seine Subjektivität und Individualität. Andere hatten das universelle Bewusstsein erreicht, wie Maharaj – aber nicht das Absolute. Die allermeisten waren lediglich stabil oder instabil jenseits des Verstandes – aber das ist keine Erleuchtung, sondern lediglich Präsenz. Wenn in so einem Status das reine Ich des Bewussteins noch nicht geweckt wurde und daher das Portal am Hinterkopf nicht geöffnet ist, besteht nicht einmal Kontakt zum universellen Bewustsein und das eigene Bewusstsein fluktuiert, ist also nicht stabil. Wie will sich so jemand als „erleuchtet“ oder „selbst realisiert“ bezeichnen oder als in der Lage, andere zu lehren? Das ist einfach nur absurd!

In meinen Augen bin ich keineswegs erleuchtet oder auch nur fortgeschritten oder gar in der Lage, anderen Menschen irgend etwas beizubringen! Ich bin ein Schüler des Lebens, der noch ganz am Anfang steht und seine Erkenntnisse schreibend mitteilt – mehr nicht. Aber es kotzt mich zunehmend an, was da draußen für ein Schwachsinn erzählt wird und ich will mit diesem Beitrag radikal Stellung beziehen!

Ich möchte hier schließen, mit einer ganz wichtigen Tatsache: Wenn ein wirklicher Meister sagt, dass es „nichts zu tun gibt, nichts zu suchen und nichts zu erreichen – weil unsere wahre Natur immer vorhanden ist“ – dann meint er das metaphorisch! Er meint damit selbstverständlich nicht, dass es für einen normalen Sucher nichts zu tun gibt! Sondern, dass es aus seiner Sicht heraus, aus der Sicht des  natürlichen und ursprünglichen Wesens heraus, nichts zu tun gibt, weil es gar nichts anderes als diese Realität gibt. Das gilt aber nur für Menschen, die das bereits so erfahren – alle anderen haben sich erst dahin zu entwickeln, um das erfahren zu können!

Um meine Sicht auf diese Dinge durch die Sichtweise von anderen zu ergänzen, habe ich ein wenig im Netz gestöbert und etliche Texte gefunden (hauptsächlich bei Anadi), die sich kritisch mit diversen Selbsterkenntnis-Richtungen auseinandersetzen. Viel Spaß dabei, zuzuschauen, wie die eigenen spirituellen Vorstellungen zertrümmert werden. Das ist ernst gemeint und nicht böse – denn die meisten Ideen über Selbsterkenntnis sind lediglich haltlose und naive Vorstellungen!