Wer denkt?

Es ist nicht so, dass der Verstand von sich aus denkt. „Der Verstand“ ist nichts anderes als ein virtueller Raum im Bewusstsein, in dem Gedanken entstehen können. Der Verstand kann nicht von sich aus denken, sondern es ist immer „jemand“, der denkt – also ich. Wenn im Verstand Gedanken sind, ohne dass ich das bewusst will, dann denke ich unbewusst oder unterbewusst. Ich kann aber nur dann unbewusst oder unterbewusst denken, wenn das Ich (conscious me) sich seiner selbst nicht bewusst ist. Bei jemandem, der Zugriff auf einen Zustand jenseits des Verstandes hat, sich aber seines bewussten Ichs nicht bewusst ist, äußert sich das so, dass es den Anschein hat, als ob da nur reine Gewahrsamkeit (awareness) ist – aber niemand darin ist.

Das ist genau das, was ich erlebt hatte, als ich im November 2014 dauerhaft jenseits des Verstandes ankam. Ich erlebte mich als reine Präsenz, ohne sagen zu können, wer oder was ich war – aber da dieser Zustand fest und dauerhaft war, hatte ich die Möglichkeit, den Verstand zu beherrschen.

Der nächste Schritt, in diesem Zustand ist, dass man sich klar macht, dass man eben nicht nur eine reine, eindimensionale Präsenz ist, sondern dass da etwas in dieser Präsenz anwesend ist: nämlich ich. Selbstverständlich ist damit nicht das mentale Ich gemeint, sondern die wahre Identität dessen, der da gewahr ist. Wenn man genau spürt, erkennt man, dass sich dieses Präsenz-Gefühl hinter den Augen befindet. Wenn es nicht hinter den Augen ist, dann jedenfalls im Innern des Kopfes. Hinter den Augen, im Frontallappen hinter der Stirn, befindet sich der energetische Komplex des bewussten Ich (conscious me) und dessen muss man sich bewusst werden und ihn verkörpern. Weiteres Material dazu findet man hier.

Man muss das wirklich klar verstehen: Wenn man sich bewusst wird, dass „es“ denkt und dann bewusst und konzentriert in den Zustand hinter den Verstand geht und das gesamte Bewusstsein einnimmt, dann kann das Unterbewusstsein nicht mehr denken, denn dann ist man bewusst anwesend und besetzt den gesamten Bewusstseinsraum und dessen Energie. So kommt es einem vor, dass die Gedanken im Verstand entstanden sind und man brandmarkt diesen als Sünder. Aber das ist eindeutig falsch – ich erlebe eindeutig mich selbst, als Urheber sämtlicher Gedanken! Ich kann denken oder nicht, kann jeden Gedanken umdrehen oder anders gestalten oder abbrechen und später wieder aufnehmen.

Da ist kein ominöser Verstand, der denkt – denn dann wären da ja zwei, was absurd ist! Ich benutze meine inhärente Intelligenz, um bewusst Gedanken im Bewusstsein zu erzeugen. Unterbewusste Gedanken können nur dann entstehen, wenn ich nicht vollständig und konzentriert anwesend bin und daher den gesamten Bewusstseinsraum besetze. Wenn irgendwo eine Lücke ist, ein freier Raum im Bewusstsein, der nicht von mir bewusst besetzt ist, kann das Unterbewusstsein einhaken, sich dort festsetzen und die freie Bewussteinsenergie für seine Zwecke benutzen.

Die meisten Menschen sind ununterbrochen in einem Status des völligen Unbewusstseins oder Unterbewusstseins. Sie handeln und denken vollständig automatisch nach bestimmten Regeln – sie sind wie Traumwandler. Daher kann man solche Menschen auch als Automaten oder Roboter bezeichnen. Das ist nicht etwa böse oder verächtlich gemeint, sondern einfach ein Ergebnis der Beobachtung, dass es genau so ist: diese Menschen sind und handeln automatisch – also sind sie Automaten.

Wenn man diesen Menschen in die Augen schaut, dann hat man nicht das Gefühl, dass da jemand bewusst anwesend ist. Da ist nicht wirklich Lebendigkeit, sondern eher eine automatenhafte Getriebenheit und Hast. Sie sind ständig am Machen und Werkeln und denken ununterbrochen. Da ist keine Zeit, um inne zu halten und sich auf sich selbst zu besinnen. Und selbst wenn sie das könnten, wüssten sie nicht, wer sie sind. Auf die Frage „Wer bist Du?“ würden sie auf ihren Körper deuten und mit ihrem Namen und ihrer Adresse antworten.

Nochmal – das hat alles nichts damit zu tun, dass ich diese Menschen verachte oder heruntermachen will – es ist einfach so, wie es ist und daran ist auch nicht das geringste zu ändern. Die Menschen müssen sich selbst erkennen, erleben und vervollständigen wollen und diejenigen, die das wirklich wollen und nicht von der Esoterikbranche angezogen werden, sind immer nur sehr wenige und von denen erreichen noch weniger tatsächlich das Ziel der Selbsterkenntnis: vollständige Selbstverwirklichung. Und wenn ich das richtig sehe ist das der Sinn allen Lebens.