Bewusstheit und Stille

Wache Bewusstheit, gepaart mit der Stille des Schlafes, entspricht dem natürlichen Zustand, der von Ramana Maharshi „Sahaja Samadhi“ genannt wurde. Nur in diesem Zustand hat man bewussten Zugang zur Wahrheit, kann „dem Leben lauschen“.

In der Trance ist man unbewusst und es können auch Visionen auftauchen, die einen in die Irre leiten können. Außerdem kann es in der Trance zur Ausschüttung von körpereigenen Glückshormonen (Endorphine) kommen, die abhängig machen können. Die Trance kann soweit zur Sucht werden, dass man sich immer wieder in ihr verlieren will, um dem „schlimmen Leben“ zu entgehen. Viele Yogis und Mystiker gehen in diese Falle.

In der stillen Bewusstheit hingegen, wird klar, dass man das Leben uneingeschränkt annehmen muss und tut das dann auch. Am Ende lebt man das Leben voll bewusst aus dieser ungeheuren Stille heraus. Das ist dann der natürliche Zustand, der sich in der Folge auch auf den Traum und den Tiefschlaf ausdehnen kann.

Das wird dann der „vierte Zustand“ genannt – was aber Unsinn ist, denn es ist der einzig echte Zustand. Die anderen drei – normaler Wachzustand, Traum und Tiefschlaf – sind bei Normalmenschen lediglich unbewusste Schlafzustände.

Ich bringe nachfolgend einige Auszüge aus dem Buch Gespräche mit Ramana Maharshi. Sie zeigen sehr klar auf, wie der mühelose Zustand des „Wachschlafs“ aussieht, der sich bei mir „von selbst“ eingestellt hat. Ich kann in diesem Zustand auch denken – das ist dann aber ein bewusstes Denken, das IN der Stille stattfindet. Das Paradoxe daran ist, dass die Stille immer da ist, aber kaum jemand sie kennt. Sie ist mit Übung erreichbar, muss aber absichtlich aufrecht erhalten werden. Es gibt auch einen Zustand, in dem die Stille mühelos aufrecht erhalten wird – dieser wird jedoch gegeben und kann nicht willentlich erreicht werden. Ab hier folgen die Auszüge:

Die Gedanken im Wachzustand verhindern, in die Stille des Schlafes einzutreten. Daher heißt es in der Bibel: Sei still und wisse, dass Ich Gott bin. Das Ziel des Suchers ist also die Stille. Um für einen einzigen Augenblick auch nur einen Gedanken nicht aufkommen zu lassen, braucht es bereits beträchtliche Anstrengung. Ohne Anstrengung geht es nicht, und sie ist nur im Wachzustand möglich. Da ist zum einen Bemühung und zum anderen Gewahrsein. Durch Meditation/Erforschung wird der Geist  gereinigt und bleibt schließlich still, ohne die leiseste Regung – und damit wird der Friede des Schlafes gewonnen. Diese Stille IST das Selbst. Das egolose ich bin ist kein Gedanke, sondern die Verwirklichung. Das ist der Zustand des Jnani. 

Der Denkende ist die ganze Zeit die Wirklichkeit. Schließlich versteht er diese Tatsache. Manchmal vergessen wir diese Tatsache, wie im Tiefschlaf oder im Traum. Aber Gott ist beständiges Bewusstsein. Wenn im Geist Bewusstsein und Stille herrschen, ist das genau der Zustand, der angestrebt werden muss. Er ist weder Schlaf noch Wachen, sondern etwas dazwischen. Sowohl das Gewahrsein des Wachzustandes als auch die Stille des Schlafes sind ihm eigen. Man nennt ihn Wach-Schlaf (jagrat-sushupti). Er ist nicht dasselbe wie Schlaf oder Wachen getrennt. Er ist jenseits des Wachens (atijagrat) und jenseits des Schlafes (atisushupti) und auch in ihnen. Er ist der Zustand völligen Gewahrseins und völliger Stille in einem. Er liegt zwischen Schlaf und Wachen. 

Er ist auch das Intervall zwischen zwei aufeinanderfolgenden Gedanken. Er ist die Quelle, aus der die Gedanken entspringen. Das können wir beobachten, wenn wir vom Schlaf erwachen. Man kann auch sagen, dass die Gedanken ihren Ursprung in der Stille des Schlafes haben. Die Gedanken machen den ganzen Unterschied zwischen der Stille des Schlafes und der Unruhe des Wachens aus. Gehe an die Wurzel der Gedanken, und du erreichst die Stille des Schlafes. Aber du erreichst sie mit der vollen Kraft der Suche, d.h. mit vollem Bewusstsein.

Jeder andere Zustand als diese VOLLKOMMENE STILLE ist eine Manifestation des Egos.