Die vier Stadien der Suche

Wer wirklich vollständig erkannt hat, muss einen vollen Kreis geschlagen haben: vom normalen Leben, zur Suche, zur Erkenntnis – und wieder zurück zum normalen Leben. Dabei bleiben alle Erkenntnisse erhalten und werden in einem natürlichen Prozess langsam in das Leben integriert. Solche Menschen fallen kaum auf, wirken völlig normal und verhalten sich auch so. Das Einzige, was letztlich erkannt und behalten werden muss, ist, dass ich nicht identisch mit dem Körper bin, sondern reines Gewahrsein – und dass ich mich selbst sehe, wenn ich auf die Welt schaue. Es gibt nichts von mir getrenntes – alles ist eine untrennbare Einheit. Somit gibt es auch kein Innen und Außen.

Gurus, die in irgendwelchen „Bewusstseinszuständen“ schwelgen, sind auf halber Strecke steckengeblieben. Sie haben erkannt, dass sie nicht der Körper sind und glauben, ihr Heil nun darin zu erkennen, den Körper zu verlassen, indem sie in irgendwelchen „Bewusstseins-Sphären herumschweben“. Das kann aber nur dann geschehen, wenn man die ganze Sache völlig falsch verstanden hat, denn: Der Körper und die Welt sind vollständige und gültige Ausdrücke des Seins und dürfen auf keinen Fall ignoriert werden.

Zu Beginn der Suche muss erkannt werden, dass man nicht der Körper ist. Um dahin zu kommen, sollte der Aspirant Körper und Welt als Erscheinung ansehen. Sobald aber die Wirklichkeit zweifelsfrei erkannt wurde, muss im nächsten Schritt erkannt werden, dass der Körper und die Welt eine gültige und gewollte Offenbarung des Seins ist und dass jeder Mensch (auch ein Erwachter) darin selbstverantwortlich leben muss, solange das Leben dauert. Aus Sicht der Quelle ist die Welt nicht existent – und es gibt nichts außer der Quelle. Aus Sicht der Welt ist die Quelle nicht existent – die Welt hingegen ist existent und sie unterliegt eindeutig nachweisbar den Naturgesetzen. Quelle und Welt bilden jedoch eine untrennbare Einheit – auch, wenn es aus Sicht des jeweiligen Gegenparts nicht so erscheint.

Wer also versucht, den Körper zu ignorieren, der ignoriert damit gleichzeitig alle Erfahrungs- und Handlungsmöglichkeiten, die diesem Körper gegeben sind. Natürlich ist das so im Gesamtszenario enthalten und darum ist es auch gültige Wirklichkeit. Aber aus einer ganzheitlichen Sicht heraus, sind diese Menschen (gewollt) unvollständig. Daher ist es völlig idiotisch, sich an solche halb Erwachten anzuhängen.

Jeder, der das tut, bleibt mit ziemlicher Sicherheit ebenfalls auf halber Strecke hängen. Das ist eine (gewollte Erleuchtungs-) Falle! Und wenn ich es recht betrachte, dann fallen genau die Menschen da hinein, die ihr Ego nicht wirklich loslassen wollen, sondern glauben, als „Erwachter“ nun etwas Besonderes zu sein und es damit auf eine ungeheure Größe aufblasen. Dieser Zustand ist der Endstadium des Egowahns (=Esowahn).

Die 4 Stadien der Suche sind:

  1. Normalmensch, der glaubt, der Körper zu sein und die Welt um sich herum zu erkennen, in der er als verantwortlich Handelnder agiert. Das sind etwa 99.9% aller Menschen in Deutschland. (~80 Mio)
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  2. Suchender, der fühlt, dass mit der Normalsicht etwas nicht stimmt… Etwa 0.1% (~80000)
    2.1  Suchender, der (noch) nicht erkannt hat und weiter seinem normalen Leben nachgeht. Hier landen etwa 90% aller Suchenden – das wären dann 72000 Menschen.
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  3. Selbsterkenntnis. Halb Erwachter, der erkannt hat, dass er nicht der Körper ist, sondern Gewahrsein und dass die Welt ein Phantom ist – der aber diese Erkenntnisse noch nicht in sein Leben integrieren konnte. Wer hier abbricht, weil er glaubt, dass er nun alles verstanden hat oder einem frei schwebenden Satsang-Guru nacheifert, der landet unweigerlich im Abseits und ist für keine normale Arbeit mehr zu gebrauchen. In der Folge sind sie entweder arbeitslos, machen auf psychisch krank oder werden selbst zum Satsang-Guru (inflationäre Tendenz). Hier landen etwa 9% aller Sucher. (~7200). Schuld daran ist in erheblichem Ausmaß die Esoterikindustrie, die daran interessiert ist, von der Esoterik abhängige (Sucht-) Menschen zu erzeugen. Einen großen Teil der Schuld trägt auch die zunehmende Tendenz zur sozialistischen Faulheit – die darin besteht, sich ungeniert von anderen aushalten zu lassen und dafür keinen Finger zu rühren.
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  4. Welt-Erkenntnis und Umsetzung: Erwachter Normalmensch, der erkannt hat, dass er nicht der Körper ist, sondern reines Gewahrsein. Auch hat er erkannt, dass die Welt ein gültiger Ausdruck des Seins ist, dass er die Welt ist und sich sieht, wenn er sie anschaut und dass jeder Mensch darin funktionieren und selbstverantwortlich und engagiert handeln muss, solange sein Leben dauert. Gleichfalls wird erkannt, dass eine Flucht aus dieser Situation nicht möglich ist und dass alles genau so ablaufen muss, wie es das tut. Etwa 1% aller Sucher dürften es bis hierher schaffen – ihr Anteil an der Gesamtpopulation in Deutschland liegt bei etwa 0.001%. (800) Das entspricht auch in etwa meinen Beobachtungen und meinem Gefühl. Vielleicht sind es sogar nur 80 – da ich aber persönlich schon 3 solcher Menschen kenne, erscheinen mir 80 als zu wenig.

Zusammenfassend möchte ich sagen, dass es völlig klar ist, was erkannt werden muss. Aber es ist offenbar so verlockend, irgendwo herumzuschweben und irgendwelche Trancezustände zu genießen, dass sehr viele auf diese Ego-Falle hereinfallen und es nicht mehr schaffen, diese Ebene wieder zu verlassen. Wer einmal auf diese Sirenengesänge hereinfällt, der ist wohl verloren. Glücklicherweise bin ich nicht für Trancezustände anfällig und habe auch noch nie etwas Derartiges erlebt. Das hängt wohl damit zusammen, dass ich nicht so funktioniere, wie die meisten – so konnte ich, ohne es zu bemerken, dieses geistige Minenfeld ohne Zwischenfall durchqueren. Man muss aber auch klar sehen, dass „die Suche“ haufenweise Fallen bereit hält – und wer nicht wirklich astrein ist und nicht vollständig ehrlich – der muss und wird scheitern. Offensichtlich fällt ein Großteil der Menschen in diese Kategorie.